Sport : Nils Schumann: "Sieger zweifeln nicht"

Wissen Sie[wie der Vater von Sebastian Coe mit Vo]

Nils Schumann (22) hat eine Bilderbuch-Karriere hinter sich: Junioren-Europameister 1997, Europameister 1998, Olympiasieger 2000 und "Sportler des Jahres" in Deutschland.

Wissen Sie, wie der Vater von Sebastian Coe mit Vornamen heißt?

Peter. Wie mein Vater. Ein interessanter Zufall. Ich hab das Buch von Peter Coe gelesen. Es handelt von der Karriere seines Sohnes und den Problemen, sich als Quereinsteiger in die Leichtathletik zu vertiefen und den Sohn zu trainieren. Ich denke, mein Vater ist da in der besseren Ausgangsposition. Er hat Sport studiert, junge Leichtathleten trainiert und von Coe und Steve Ovett, den britischen Lauflegenden, geschwärmt. Im Fernsehen habe ich später den 800-m-Weltrekord von Coe mit 1:41,7 von 1981 gesehen, der 1997 von Wilson Kipketer gebrochen wurde.

Woher rührt die Begeisterung Ihres Vaters für den Lauf?

Er war als Jugendlicher ein Lauftalent, hat sich aber dann für Fußball entschieden. Er war im Verein der beste Läufer, hat viele Volksläufe bestritten. Bei mir war es ähnlich mit Fußball und Laufen parallel. Doch ich habe die Leichtathletik gewählt. Als Fußballer wäre ich wohl nie so weit gekommen.

Sie sind aber nicht auf die Kinder- und Jugendsportschule in Erfurt gegangen?

Das kam später. Ich blieb bis zum Abitur in Bad Frankenhausen und habe auch bis 16 Jahre unter Anleitung meines Vaters trainiert. Dann bekam ich Pläne von Dieter Hermann aus dem Sportklub Erfurt. Dorthin wechselte ich nach dem Abitur.

Sie haben nach Ihrem Olympiasieg, dem ersten eines deutschen Läufers über 800 m bei Olympischen Spielen, gesagt, Sie verdanken Trainer Dieter Hermann diesen Triumph. Dennoch kam nach Sydney die Trennung.

Das war seine Entscheidung, nachdem ich mich für den Vereinswechsel vom SV Großengottern In Thüringen zur LG Nike Berlin entschieden hatte. Das kam überraschend für mich. Aber er hat wohl gefürchtet, mit meinen öffentlichen Verpflichtungen, die er als Störungen empfindet, nicht mehr Topleistungen von mir gewährleisten zu können. Ich halte ihn nach wie vor für den besten Trainer der Welt in diesem Laufbereich.

Wie ist denn jetzt Ihr Verhältnis zueinander?

Ganz normal. Wir respektieren uns und wissen, was wir voneinander zu halten haben. Wenn wir uns in der Laufhalle treffen, schütteln wir uns die Hand und plaudern.

Auf der Suche nach einem Trainer sind Sie zum Vater-Sohn-Modell gekommen. Wie soll das funktionieren?

Wir haben mit dem DLV gesprochen, auch mit meinem sportlichen Manager Jos Hermens. Kurzzeitig stand die Idee, es beim Trainer von Kipketer, einem Polen, zu versuchen. Oder ins Ausland zu gehen. Doch ich wollte auf das gewohnte Umfeld in Erfurt, wo ich optimale Bedingungen habe, nicht verzichten. Da bot mein Vater seine Hilfe an. Er hat nun ab Februar um Beurlaubung vom Schuldienst gebeten und wird dann 24 Stunden mein Betreuer sein. Nach den Weltmeisterschaften im Sommer 2001 werden wir sehen, wie es gelaufen ist.

Könnten Autoritätskonflikte zwischen Vater und Sohn die Sache erschweren?

Das erwarte ich nicht. Ich bin selbstständig geworden, als ich mit 18 von zu Hause wegging. Ich denke, er respektiert mich als Olympiasieger und erwachsenen Menschen. Natürlich wird es auch Reibereien geben. Aber die hatte ich auch mit Dieter Hermann. Klar, mein Vater muss sich darauf einstellen, erstmals einen Weltklasseathleten zu betreuen. Ich stelle mir eine Partnerschaft aus meinen Erfahrungen und seinem Wissen vor. Mit 46 Jahren gehört mein Vater zu einer anderen Generation als Dieter Hermann, der 60 ist und vom DDR-Sportsystem mit der Konzentration auf den Erfolg geprägt ist. Mein Vater akzeptiert PR-Verpflichtungen, ist ruhiger und lockerer. Und: Wir haben absolutes Vertrauen zueinander.

Aber ein Risiko ist es schon, so ein Neubeginn als Olympiasieger.

Risiko gehört zum Leben und zum Sport. Sieger zweifeln nicht, Zweifler siegen nicht.

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