Sport : Noch Fragen offen

Was der Kompromiss bei den WM-Tickets bedeutet

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Der Rechtsstreit um die Tickets für die Fußball-WM 2006 vor dem Frankfurter Landgericht ist beendet. Am späten Dienstagabend haben sich das WM-Organisationskomitee (OK) und der Bundesverband Verbraucherzentrale (vzbv) auf einen Vergleich geeinigt. Wir erklären, worum es ging – und welche Vorteile Fußballfans jetzt haben.

Warum sind die Verbraucherschützer gegen das OK vorgegangen?

Das Vertragswerk für den Kauf einer Eintrittskarte zur Fußball-WM 2006 ist ziemlich kompliziert. Fans können nur im Internet bestellen, sie müssen viele persönliche Daten angeben – und hohe Gebühren zahlen, selbst wenn sie gar kein WM-Ticket erhalten. Dagegen haben die Verbraucherschützer geklagt. Franz Beckenbauer, der Präsident des OK, hat sie deshalb „Tagediebe“ genannt, DFB-Präsident Theo Zwanziger ist auch nach der Einigung „enttäuscht“. Dies sei ein „unmöglicher Stil“, antwortete vzbv-Pressesprecher Carel Mohn. Wenigstens hätten die Fans jetzt mehr Klarheit und mehr Rechte.

Worauf haben sich die Parteien geeinigt?

Es geht in erster Linie um die so genannten Optionstickets. Weil Sponsoren und Landesverbände Karten zurückgeben werden, hat das OK eine Art Warteliste eingeführt, damit Fans chronologisch nachrücken können. Sie mussten dafür allerdings einen Teil des Geldes überweisen – und hätten selbst bei Nichtberücksichtigung fünf Euro Gebühr zahlen müssen und ihr Geld erst nach der Fußball-WM wiedergesehen. Diese Gebühr darf jetzt nur noch verlangt werden, wenn der Fan auch wirklich ein Ticket erhält. Zudem dürfen die Besteller bis zum 15. April 2006 ihre Option ohne finanziellen Verlust rückgängig machen – das Geld kommt dann innerhalb von vier Wochen zurück, und nicht erst im August 2006. Im Gegenzug verzichtete der vzbv auf seine Forderung nach einer Verzinsung des vorher gezahlten Beitrags.

Wie viele Fans besitzen ein Optionsticket? Und haben auch andere nun Vorteile?

Insgesamt haben sich bis zum Verkaufsschluss Ende November 61 000 Fans um 140 000 Options-Tickets beworben. Doch auch Käufer von so genannten teambegleitenden Tickets (TST) haben seit Dienstag einen Vorteil. Fans, die Karten für Spiele nicht qualifizierter Mannschaften bestellt haben, müssen weniger Gebühren bezahlen. Für die Tickets sind jetzt nicht mehr 20 bis 50 Euro Gebühr fällig, sondern 10 bis 20 Euro.

Wie viel Geld geht dem WM-Organisationskomitee durch diesen Vergleich verloren?

Zwischen 700 000 Euro und einer Million Euro, schätzt OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf, rund 200 Millionen Euro, decken einen Großteil des OK-Etats von 430 Millionen Euro. Man habe dem Vergleich zugestimmt, weil „wir in dieser Phase keine langwierigen Rechtsstreitigkeiten brauchen können, die vor allem im Ausland überhaupt nicht verstanden werden“, sagte Horst R. Schmidt. „Wir haben nun einmal nur drei Millionen Karten, bräuchten aber gut und gerne 30 Millionen.“

Sind damit alle rechtlichen Fragen geklärt?

Nein, denn die EU-Kommission prüft derzeit, ob die Fifa ihr „natürliches Monopol“ beim Kartenverkauf missbraucht. Bis zum 3. Januar wird sie eine erste Stellungnahme abgeben. Sollte sie einen Missbrauch feststellen, würde die Fifa aufgefordert, diesen abzustellen. Erfolgt dies nicht, droht im schlimmsten Fall ein Zwangsgeld von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes. „Ziel ist es, einen Missbrauch auch bei vergleichbaren Ereignissen auf Dauer auszuschließen“, sagte EU-Parlamentarier Alexander Graf Lambsdorff, der die Prüfung angeregt hat.

Können Fans sich noch für Eintrittskarten bewerben?

Ja, und zwar bis zum 15. Januar. Dafür müssen sie das Formular auf der Internetseite www.fifaworldcup.com ausfüllen. Schnelligkeit ist nicht entscheidend, die 250 000 WM-Karten werden am 31. Januar verlost. Es wird noch zwei weitere Verkaufsphasen geben: Eine beginnt im Februar, die andere im Mai. A.G./jep

Mehr Details zum Ticketverkauf

www.tagesspiegel.de/wm2006

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