Nochmal von vorne : Mit neuer Aufstellung gegen Frankreich

Um an diesem Dienstag gegen Frankreich endlich richtig ins Turnier zu starten, könnte die deutsche Mannschaft personell und taktisch umgebaut werden.

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Wann bekommt Deutschland einen Lauf? Die junge Stürmerin Alexandra Popp könnte mit ihrer Unbekümmertheit vorangehen.
Wann bekommt Deutschland einen Lauf? Die junge Stürmerin Alexandra Popp könnte mit ihrer Unbekümmertheit vorangehen.Foto: dapd

Selbstvertrauen wie noch nie, zwei Siege, fünf zum Teil schön herausgespielte Tore, kein Gegentreffer: Frankreichs Nationalelf ist nahezu perfekt in die Weltmeisterschaft gestartet. Wenn die Französinnen heute (20.45, live im ZDF) im ausverkauften Stadion von Mönchengladbach auf die deutsche Mannschaft treffen, hoffen die Spielerinnen von Bundestrainerin Silvia Neid darauf, dass sich der Gegner weiter so spielstark präsentiert wie bisher. „Die stellen sich nicht hinten rein, sondern spielen mit“, sagt die deutsche Angreiferin Alexandra Popp. „Dadurch werden sich Löcher ergeben.“ Löcher oder Lücken hatte es beim ernüchternd knappen, überharten und hässlichen 1:0-Sieg über Nigeria nicht gegeben, der Gegner im heutigen Spiel um den ersten Platz in der Gruppe A könnte den Deutschen eher entgegen kommen. „Gegen Frankreich wird es ein ganz anderes Spiel“, glaubt Fatmire Bajramaj, „weil die Fußball spielen können.“

Den Beweis spielerischer Klasse ist das deutsche Team bislang in großen Teilen schuldig geblieben. Auch deswegen ist es gut möglich, dass Neid gegen Frankreich ihre Aufstellung verändert. Erste Kandidatin für einen Platz auf der Bank ist Melanie Behringer. Schuld daran sind allerdings nicht die Leistungen der 25-Jährigen, sondern ihr angeschlagener linker Knöchel. Am Samstag und Sonntag trainierte sie nicht mit der Mannschaft.

Vor der WM galt Bajramaj als Anwärterin auf den Stammplatz im linken Mittelfeld – sollte Behringer ausfallen, könnte diese Position aber erneut Celia Okoyino da Mbabi einnehmen. Das hätte den Vorteil, dass in der bisher so glanzlosen Offensive ein Platz zum Ausprobieren frei würde. Immerhin glaubt das Trainerteam, dass die zuletzt abgelenkt und gefrustet wirkende Bajramaj zu ihrer spielerischen Leichtigkeit zurückfindet. „Wir haben das Gefühl, dass sie langsam und Schritt für Schritt die alte Lira wird“, sagt Kotrainerin Ulrike Ballweg.

Während Außenverteidigerin Linda Bresonik ihren Magen-Darm-Virus bis zum Anstoß überwunden haben dürfte, ist eine andere Personalfrage alles andere als gelöst. Wird Kapitänin Birgit Prinz erneut von Beginn an spielen? Und falls ja: Wird sie wieder in der Angriffszentrale aufgeboten, wo sich die 33-Jährige zuletzt so schwer tat? Oder als hängende Spitze und damit in einer Rolle, in der sich Prinz inzwischen wesentlich wohler fühlt? Es könnte sein, dass Neid Birgit Prinz weiter das Vertrauen schenkt, ihr aber eine andere Sturmpartnerin zuteilt. Kandidatinnen dafür sind die erfahrene Inka Grings und die unbekümmerte Alexandra Popp.

Wegen des schlechteren Torverhältnisses muss Deutschland Frankreich besiegen, um das Viertelfinale als Gruppensieger zu erreichen und auf den Zweiten der Gruppe B zu treffen. Das wäre nach derzeitigem Tabellenstand England, doch auch die Engländerinnen haben noch die Chance, Spitzenreiter Japan im direkten Duell mit einem Sieg zu überholen. An Planspielen, wie man zum Beispiel den möglichen Halbfinalgegner USA umgehen könnte, will sich Ballweg nicht beteiligen. „Wir wollen den Gruppensieg, ganz klar. Wir wollen gewinnen.“

Babett Peter ist sich sicher, dass Frankreich gerade mit spielerischen Mitteln zu schlagen ist. „Wir müssen die Französinnen laufen lassen, Ballsicherheit ausstrahlen und ein gutes Kombinationsspiel nach vorne haben“, sagt die Abwehrspielerin. Die 23-jährige Potsdamerin kennt Frankreichs Mannschaft gut, mit Turbine stand sie zweimal in Folge im Champions-League-Finale gegen Lyon, das Team von Olympique stellt einen Großteil der französischen Auswahl.

Mut machen dürfte der deutschen Nationalmannschaft, dass die Konkurrenz ihre bislang unbefriedigenden Auftritte nicht überbewertet. „Ich bin mir sicher, dass Deutschland viel stärker ist als alle anderen“, sagte die norwegische Trainerin Eli Landsem am Sonntag, Brasiliens Coach Kleiton Lima fügte hinzu: „Es gibt bei dieser WM nur einen Favoriten – und das ist Deutschland.“ Wenn jetzt noch die Französinnen mitmachen und tatsächlich mutig nach vorne spielen, könnte Silvia Neids Mannschaft heute ein verspäteter Start ins Turnier glücken.

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