Sport : NOK-Präsident Tröger will im Streit mit dem DTB vermitteln

Ernst Podeswa

Wird die Besetzung des deutschen Tennis-Aufgebots für die Erstrundenpartie im Davis Cup vom 4. bis 6. Februar in Leipzig gegen Holland zum sportpolitischen Staatsakt oder zum Stoff für eine Realsatire? "Wenn keiner spielen will oder kann, könnte man ja Michael Stich wieder reaktivieren", witzelte gestern ein Mitarbeiter der DTB-Zentrale in Hamburg.

Der Mann hat gut lachen, denn er ist für die Suche nach den vier oder fünf Aufrechten des deutschen Tennissports in Leipzig nicht zuständig. Anders dürfte jedoch Teamkapitän Carl-Uwe Steeb und dem DTB-Präsidenten Georg von Waldenfels zumute sein. Die jüngsten Meldungen: Thomas Haas hat sich beim Vorbereitungsturnier auf die Australian Open eine Hüftverletzung zugezogen, Rainer Schüttler stellt sich stur. "Steeb hat sich bei mir nicht gemeldet. Ich sehe also keinen Grund, von der Startzusage in Dubai während des Davis-Cup-Spiels zurückzutreten", sagt der Mann, der am vergangenen Wochenende im Finale des Turniers von Katar stand. Seinen Unmut über angeblich kein Anruf von Steeb bekundete auch Jens Knippschild. Wie Schüttler ein Schützling des vormaligen DTB-Sportwartes Dirk Hordorff. Bei David Prinosil (Achillessehenoperation) und Marc-Kevin Goellner (angeschlagen) ist unklar, ob sie im Februar einsatzfähig wären.

Einer der momentan nicht nur spielfähig, sondern auch die stärkste Stütze gegen dieHolländer um Richard Krajicek wäre, hat dem DTB einen Korb gegeben. "Ich werde nicht im Davis Cup spielen und konzentriere mich auf meine Position in der Weltrangliste", sagte Nicolas Kiefer, nachdem ihm der DTB ein Ultimatum des DTB gestellt hatte. Damit nicht genug, erklärte der 22-jährige, vor der Ranglisten-Neuformierung die Nummer sechs der Welt, unverhohlen: "Aber ich werde auf jeden Fall bei den Olympischen Spielen in Sydney starten. Das ist ein Kindheitstraum von mir. Der DTB kann mich da nicht hindern."

Vier Spieler darf der DTB dem NOK zur Nominierung für das 64-köpfige Hauptfeld bei Olympia vorschlagen. Die internationale Vorgabe, in den vergangenen vier Jahren für sein Land im Davis Cup gespielt zu haben, erfüllt Kiefer. Doch seine aktuelle Weigerung erbost den DTB-Chef. "Ich kann die Haltung von Kiefer nicht nachvollziehen und bin sehr enttäuscht", sagte gestern Georg von Waldenfels dem Tagesspiegel. "Die Begründung, sein Terminkalender sei zu eng, ist nicht stichhaltig. Auch Haas und früher Becker und Stich sind von einem Turnier zum anderen gezogen und dennoch für Deutschland im Davis Cup angetreten. Ich glaube, Kiefer ist sehr schlecht beraten." Noch schärfere Töne der Kritik schlägt der von Waldenfels mit ins Amt gebrachte neue Sportwart Walter Knapper an. Für ihn sei es "ein blanker Hohn", dass Kiefer verbreitet habe, DTB und Steeb würden seine Pläne, hier Verzicht, dort Auftritt bei Olympia, akzeptieren. Für ihn als "normal Sterblichen" sei es unverständlich, wie sich Kiefer derzeit verhalte.

Mittlerweile hat sich sogar NOK-Präsident Walther Tröger in den sich eskalierenden Streit eingeschaltet. Es müsse alles ausgeschöpft werden, damit die Sache nicht vor die Gerichte getragen werde. "Sechs bis sieben Fälle" habe es in Deutschland gegeben, in denen Athleten ihr Olympia-Startrecht erzwingen wollten. Jedes Mal habe das NOK gewonnen. Er forderte den DTB auf, mit "Überzeugungsgesprächen" den Konflikt zu bereinigen und schloss nicht aus, dass "letzendlich die IOC-Bestimmungen" Priorität bekommen würden. Und das IOC legt bekanntlich Wert darauf, dass die Besten auf dem olympischen Jahrmarkt präsent sind.

"Wir sind auch dafür, dass die Besten spielen. Aber zu diesem Anspruch der Besten gehört nicht nur sportliches Können, sondern auch entsprechendes Auftreten", unterstrich von Waldenfels. "Wenn Kiefer konsequent wäre in seiner Ausrichtung auf die Position in der Rangliste, dann müsste er auf Olympia verzichten. Da gibt es nämlich auch keine Weltranglistenpunkte. Ich sehe zur Zeit keine Möglichkeit, dass wir ihn für Olympia nominieren."

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