Nordische Kombination : „Nur etwas für richtige Männer“

Mit sehr viel Selbstbewusstsein und dem Favoriten Eric Frenzel starten die Kombinierer am Freitagmorgen in die Nordische Ski-WM. Manchmal übertreiben sie es aber auch.

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Auf Medaillensuche. Eric Frenzel (r.) geht als Weltcupführender in die WM-Spur.
Auf Medaillensuche. Eric Frenzel (r.) geht als Weltcupführender in die WM-Spur.Foto: dpa

Was Eric Frenzel in jungen Jahren bewerkstelligt hat, schaffen andere ihr ganzes Leben lang nicht. Einen kleinen Sohn hat er. Und neben dem Familienvaterdasein hat er es mit seinen 24 Jahren schon zu mehreren Weltmeisterschafts- und einer Olympiamedaille gebracht. Beides, die Karriere und das Privatleben, wirken sich unmittelbar auf die Einstellung aus, mit der er jetzt zur Nordischen Ski-Weltmeisterschaft nach Val di Fiemme gereist ist. Frenzel geht gelassener in die Wettkämpfe als viele seiner jungen Konkurrenten. Das hat er selbst einmal gesagt hat. Und beweisen braucht der Nordische Kombinierer sowieso niemandem mehr etwas.

„Mit der Titelverteidigerrolle gehe ich positiv um“, sagt er. „Ich mache mir keinen Druck und weiß, dass ich nicht unbedingt Weltmeister werden muss.“ Das Absurde daran ist, dass gerade diese Herangehensweise den Deutschen beim Einzelwettkampf der Nordischen Kombination am Freitag (10 und 15 Uhr, live bei ZDF und Eurosport) zum großen Favoriten werden lässt. So ist Frenzel im Januar schon im Weltcup von Sieg zu Sieg gesprungen und gelaufen: Er gewann vier Wettkämpfe in Folge und führt mittlerweile auch im Gesamtweltcup. Zudem hat es ja sowieso immer geklappt mit vorderen Plätzen, wenn Weltmeisterschaften anstanden – die Kombinierer sind so etwas wie die Medaillenversicherung für das nordische deutsche Skiteam.

Das war vor zwei Jahren in Oslo so, als allein Frenzel vier Medaillen holte, und das ist im Winter 2013 in Italien nicht anders. „Wir haben von allen Weltmeisterschaften Medaillen nach Hause mitgebracht“, sagt Bundestrainer Hermann Weinbuch. „Ich möchte hier auch zwei bis drei holen.“ So viel Selbstbewusstsein wird man bei den deutschen Langläufern oder Skispringern lange suchen müssen. Manchmal allerdings übertreiben es die Kombinierer auch mit ihrem eigenen Selbstverständnis.

Während sich die Nachbarsportarten wie das Skispringen durch Frauenspringen (16 Uhr, ZDF und Eurosport) oder Mixed-Wettbewerbe erneuern, wird es gemischte Teams oder einen Frauenwettbewerb in der Nordischen Kombination vorerst nicht geben. Jedenfalls nicht, wenn es nach Weinbuch geht. „Prinzipiell können die Frauen natürlich alles“, sagte er, „aber die Kombination ist doch noch etwas anderes. Das ist verdammt schwer. Bis jetzt ist das nur etwas für richtige Männer.“ Großartig viele Anhänger dürfte der deutsche Coach damit nicht gewonnen haben.

Für ihn zählen vor allem Erfolge, und dafür greift er schon mal zu merkwürdigen Methoden. Weil sein bester Athlet ihm im Sprungtraining nicht gefiel, erteilte er ihm Schanzenverbot. „Eric Frenzel soll nicht ans Springen denken“, sagte Weinbuch dazu. Sein Trainer weiß eben, wie Eric Frenzel tickt. Und er weiß auch, worin dessen wesentliche Stärke besteht: „Er hat bei den vergangenen Titelkämpfen im Training meist geschwächelt, um dann alles auszupacken, wenn es darauf ankam.“

Frenzel ist einer, dem es gelingt, im Wettkampf seine beste Leistung zu bringen. Das hat er über die Jahre gelernt. „Ich bin gesund geblieben und war zuletzt in Top-Form“, sagt er. „Mein Ziel ist es, die Konstanz, die ich in den letzten Wettkämpfen gezeigt habe, über die WM hinaus zu halten.“ Und wenn es wider Erwarten trotzdem nichts werden sollte mit einer Medaille, darf man davon ausgehen, dass Eric Frenzel es verkraften wird. Besser als die meisten anderen Leistungssportler.

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