Sport : „Nowitzki ist noch besser geworden“

Basketball-Bundestrainer Henrik Dettmann entdeckt beim deutschen NBA-Star neue Qualitäten

Benedikt Voigt

Berlin. Was die Haare betrifft, gibt es einen neuen Problemfall in der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. An Dirk Nowitzkis Grungebart und seine zotteligen, zerzausten Haare hat sich Henrik Dettmann inzwischen gewöhnt. „Dirk ist nicht mehr das Problem“, sagt der Bundestrainer, „aber Jörg Lütcke sieht jetzt aus wie John Lennon.“

Seit einigen Tagen kann Henrik Dettmann die Frisuren seiner Nationalspieler ganz unmittelbar mit Dirk Nowitzkis wilder Haarpracht vergleichen. Am Freitag spielte der NBA-Star von den Dallas Mavericks erstmals seit elf Monaten wieder für die deutsche Nationalmannschaft, erzielte beim 83:82 im Testspiel in Nürnberg über die Türkei 24 Punkte und holte elf Rebounds. Am nächsten Tag beim 78:64 gegen den gleichen Gegner kam er auf 17 Punkte und sieben Rebounds. Trotzdem war der 25-Jährige mit seinen ersten Auftritten nicht zufrieden. „Die Wurfquote war nicht so toll, wie ich mir das vorstelle“, sagte Nowitzki. „Es waren aber auch meine ersten Spiele seit den Play-offs in der NBA.“ Auch Henrik Dettmann entschuldigt seinen Star. „Wenn man nur zweimal mit der Mannschaft trainiert hat, kann man kaum besser spielen.“

Doch Dettmann ist zufrieden mit dem Stand der Vorbereitung für die Europameisterschaft in Schweden (5. bis 14. September). „Wir haben uns zuletzt fast ohne Training gesteigert“, sagte der finnische Bundestrainer, dessen Vertrag beim Deutschen Basketball-Bund (DBB) nach der EM ausläuft. Der Fortschritt hat natürlich auch mit Dirk Nowitzki zu tun, der am vergangen Mittwoch zum deutschen Team stieß. „Es gibt immer eine neue Energiewelle, wenn der Star zur Mannschaft kommt“, sagt Dettmann. Wie in den vergangenen beiden Jahren erschien der NBA-Spieler verspätet im Trainingslager des Nationalteams. Der DBB musste erst eine Versicherung über 190 000 Dollar abschließen, ehe die Mavericks ihren besten Spieler für die Vorbereitung und die EM freigaben. Nun aber ist das Team komplett.

„Dirk ist besser in Form als im letzten Jahr“, sagt der Bundestrainer. Was etwas heißen will, immerhin genügte Nowitzkis Form vor Jahresfrist, um in Indianapolis zum wertvollsten Spieler der Weltmeisterschaft gekürt zu werden. In diesem Sommer hat der Power Forward wieder mit seinem persönlichen Manager, Trainer und Freund Holger Geschwindner in Rattelsdorf bei Bamberg und in Würzburg trainiert. „Er und Holger Geschwindner haben einen guten Job gemacht“, sagt Dettmann, „Dirk ist noch schneller und beweglicher geworden.“

Auch der Rest des Teams hat sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Nur eine Niederlage gegen Bosnien-Herzegowina leistete sich das Team in der EM-Qualifikation – ohne Nowitzki. Center Patrick Femerling holte mit dem FC Barcelona den wichtigsten europäischen Titel, den Europaligatitel. „Femerling ist ebenfalls besser in Form“, sagt Dettmann. Und Aufbauspieler Mithat Demirel reifte im vergangenen Jahr bei Alba Berlin zum Führungsspieler. Als Bronzemedaillengewinner bei der WM zählt das deutsche Team in Schweden ohnehin zum Favoritenkreis.

Es ist Nowitzkis großes Ziel, sich bei der EM für die Olympischen Spiele 2004 in Athen zu qualifizieren. „Ich hoffe, dass wir uns den Traum erfüllen können.“ Bei der EM berechtigen lediglich die ersten drei Plätze zur Teilnahme an den Olympischen Spielen. Weltmeister Jugoslawien und Olympia-Ausrichter Griechenland sind bereits qualifiziert. Sollten diese beiden Länder unter den ersten drei landen, dürfte auch der Viert- beziehungsweise Fünftplatzierte nach Athen fahren. Nowitzki ist vorsichtig mit einer Prognose. „Die EM ist stärker besetzt als die WM.“ Um gerüstet zu sein, spielt Dettmanns Team am kommenden Wochenende noch den Supercup in Braunschweig sowie zwei Testspiele in Köln und Berlin. Für die Partie in der Kölnarena sind bereits mehr als 11 000 Karten verkauft. Der DBB steht vor einem neuen Länderspielrekord. Auch die Spiele am vergangenen Wochenende in Nürnberg und Frankfurt waren mit 8000 und 6500 Zuschauern jeweils ausverkauft. Alle wollen Nowitzki sehen. An seine wilde Frisur hat sich offensichtlich jeder gewöhnt.

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