Sport : Nur die Absicht zählt

Manfred Amerell

erklärt, wann ein Handspiel ein Handspiel ist 1. FC Köln gegen Bayern München, es läuft die 88. Spielminute. Nach einer Flanke vom Kölner Helmes berührt der Münchener Lucio bei einem missglückten Kopfballversuch im eigenen Strafraum den Ball mit der Hand. Elfmeter für Köln? Nein, Schiedsrichter Wagner pfeift nicht, es bleibt beim 2:1 für die Bayern. Angeschossen, absichtliches Handspiel, unnatürliche Armbewegung – es gibt viele verschiedene Meinungen über das Handspiel. Hätte Wagner nach Lucios Aktion nicht auf Strafstoß für Köln entscheiden müssen?

Nein. Ein Handspiel ist nur zu bestrafen, wenn eine Absicht vorliegt. Das ist eine klare Definition. Und unter die fällt Lucios Aktion nicht: Der Ball traf ihn im Strafraum an der Hand, als er zu einem Kopfball ansetzte. Der Schiedsrichter entschied zu Recht nicht auf Elfmeter, denn das war nie und nimmer ein Strafstoß: Wo sollte Lucio denn auch mit seinen Armen hin? Er hat eine völlig natürliche Sprungbewegung gemacht. Nur beim Skispringen hat ein Sportler die Arme angelegt. Ein Fußballer ist doch keine statische Figur. Wird ein Spieler aus kurzer Entfernung angeschossen, dann wird das nicht als absichtliches Handspiel ausgelegt. Ein unsportliches Handspiel im Strafraum liegt vor, wenn ein Spieler absichtlich die Hand zum Ball bewegt. Das ist dann mit einer Roten Karte und einem Strafstoß zu ahnden. Neben dem absichtlichen Handspiel gibt es noch das taktische Handspiel außerhalb des Strafraums: Stoppt ein Spieler den Ball mit der Hand, um den Spielfluss des Gegners zu unterbrechen, so ist das mit Gelb zu bestrafen. Bei einem normalen Handspiel hingegen – ohne taktische Absicht – gibt es nur Freistoß. Die Frage der Absicht beim Handspiel wird natürlich immer in der Diskussion bleiben, und natürlich hat der Schiedsrichter da seinen eigenen Ermessensspielraum. Prinzipiell gilt aber: Wenn ein Spieler bewusst das Risiko in Kauf nimmt, den Ball mit der Hand zu halten oder zu stoßen, dann liegt eine Absicht und damit ein Handspiel vor.

Eine andere Szene vom Samstag fand ich da schon strittiger als die von Lucio. Der Bremer Miroslav Klose hat den Ball im Frankfurter Strafraum mit der Hand berührt und dann ins Tor geschossen. Schiedsrichter Knut Kircher hatte kein Handspiel geahndet und gab das Tor zum 3:1 für Werder Bremen. Die Szene mit Klose ist diskussionswürdig, allerdings trifft Herrn Kircher keine Schuld, er musste in Sekundenbruchteilen – als die Aktion lief – entscheiden. Natürlich ist es problematisch, dass dann ein Tor fiel. Aber der Schiedsrichter hat eben nicht drei verschiedene Zeitlupen aus drei Kameraperspektiven. Kircher sah nur den Rücken Kloses, konnte von seiner Position ein absichtliches Handspiel nicht erkennen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben