Sport : Nur die Papierschlangen nerven

Der 1. FC Union kann Titelverteidiger Werder Bremen beim 0:5 im DFB-Pokal nicht gefährden

Katrin Schulze

Berlin - Wenn Thomas Schaaf etwas ähnlich gut beherrscht wie das Fußballgeschäft, ist es die Kunst des gepflegten Understatements. Von einer „durchwachsenen Vorbereitung“ hatte der Trainer des SV Werder Bremen vor dem gestrigen Erstrundenspiel im DFB-Pokal gesprochen. „Es wird für uns alles andere als leicht.“ Wie sich am gestrigen Nachmittag herausstellte, war der Zweitligaaufsteiger 1. FC Union aber kein wirkliches Hindernis für Schaafs Bremer: Den vermeintlich gefährlichen Konkurrenten schlugen sie souverän mit 5:0 (3:0). Locker, leicht, und alles andere als mühevoll sah es aus, wie Werder die Gastgeber aus Köpenick beherrschte.

Die Bremer vermiesten den Berlinern so den Pflichtspielauftakt in ihrer neuen, alten Heimspielstätte, dem Stadion An der Alten Försterei. Dafür bedankten sich die lautstarken Unioner Anhänger auf ihre ganz eigene Weise. Schnell war der Feind des Tages für sie ausgemacht – er stand im Werder-Tor. Tim Wiese hatte einfach etwas Pech, dass er sich in der ersten Halbzeit direkt vor dem harten Kern des Berliner Anhangs aufhalten musste. Immer wieder hielten die Fans ihn mit dem Werfen von Papierschlangen auf Trab. Und immer wieder räumte der Torhüter unter den spöttischen Rufen der Fans diese pflichtbewusst beiseite.

Genug Zeit für die Aufräumarbeiten in seinem Strafraum hatte Wiese aber allemal – fußballerisch blieb er anfangs völlig beschäftigungslos, da die Unioner nur selten vor seinem Tor auftauchten. Anders erging es seinem Gegenüber Jan Glinker, der sich im ersten Abschnitt quasi im Dauereinsatz befand. Die erste Chance ließ Werder noch ungenutzt: Mesut Özil setzte den Ball knapp neben das Tor. Schon kurze Zeit später machten es die Gäste besser, als Boubacar Sanogo ein Zuspiel von Marko Marin aus spitzem Winkel mit einem Flachschuss zur 1:0-Führung nutze. Glinker im Berliner Tor gewährte dabei freundliche Mithilfe.

Danach dauerte es gerade mal zehn Minuten, bis die Gäste auf 2:0 erhöhen konnten. Bei einem Durcheinander vor Unions Tor nach einer Ecke von Torsten Frings reagierte Naldo am schnellsten und stocherte den Ball über die Linie. „Ich war sehr zufrieden mit unserer Leistung“, sagte Schaaf. „Wir haben konzentriert gespielt und sind schnell zum Abschluss gekommen.“ Nachdem Sanogo völlig unbedrängt noch das 3:0 erzielt hatte, waren auch die größten Optimisten unter den 19 000 Zuschauern in der ausverkauften Alten Försterei davon überzeugt, wer hier wirklich die bessere Mannschaft war.

Eng an eng drängelte sich das Publikum auf den Stehplatztribünen – es gab an diesem Nachmittag, bei 30 Grad im Schatten, wohl angenehmere Orte. Erschwerend kam hinzu, dass es die Heimmannschaft mit ihren wenigen Vorstößen nur selten bis in den Werder-Strafraum schaffte. Unions Mittelfeldspieler Dominic Peitz suchte die Gründe dafür im fehlenden Mut, gegen den Titelverteidiger auch mal was zu riskieren. Allerdings sorgten auch Bremens Kapitän Torsten Frings und Rückkehrer Tim Borowski mit ihrer ordentlichen Organisation vor der Abwehr für jede Menge Frust beim Zweitligisten.

Dabei wartete Trainer Uwe Neuhaus doch extra mit einer Überraschung auf, indem er Karim Benyamina als einzige Spitze aufstellte und vor der Abwehr mit zwei Sechsern agierte. Shergo Biran und John Jairo Mosquera, die Leihgabe von Werder Bremen, beobachteten die Partie dagegen zunächst von der Bank. Benyamina konnte sich so erst zu Beginn der zweiten Halbzeit durchsetzen: Gleich zweimal scheiterte er jedoch vor dem Bremer Tor. Unions zaghafte Offensivbemühungen blieben danach weiterhin die Ausnahme – nicht nur Trainer Neuhaus stellte fest, „dass wir im Spiel nach vorne alles vermissen ließen“.

Ganz im Gegensatz zu den Bremern, die durch zwei Treffer von Zugang Marcelo Moreno kurz vor Spielschluss sogar noch auf 5:0 erhöhten. Viel investierten sie dafür in der Köpenicker Sommerhitze nicht. Das war auch gar nicht nötig, denn die Gastgeber wehrten sich zum Ärger ihres Coaches kaum noch. „Die Höhe des Ergebnisses ist sehr enttäuschend“, sagte Uwe Neuhaus. „Aber wir haben schon immer gesagt, dass unsere Priorität auf der Meisterschaft liegt, nicht im Pokal.“ Angesichts der Mannschaftsleistung gegen Bremen ist das eine realistische Betrachtungsweise. Für das Understatement ist ja ohnehin sein Kollege Thomas Schaaf verantwortlich.

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