Sport : Nur noch desolat

Nach dem 0:3 gegen den VfL Wolfsburg muss Bremen weiter um den Klassenerhalt bangen.

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Hilft beten? Auf dem Spielfeld klappt für Arnautovic kaum noch etwas. Foto: dpa
Hilft beten? Auf dem Spielfeld klappt für Arnautovic kaum noch etwas. Foto: dpaFoto: dpa

Bremen – Werder Bremens neuer Sportdirektor Thomas Eichin hatte vor einigen Wochen erklärt, ihm würde in Bremen alles viel zu schwarz gemalt. Aus seiner Sicht sei es noch längst nicht fünf vor zwölf. Allerhöchsten zwanzig vor. Der neue Sportchef der Bremer muss spätestens nach dem gestrigen Abend seine Uhr neu justieren. Nach der völlig verdienten 0:3-Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg tickt sie unaufhaltsam weiter. Es ist mindestens fünf vor zwölf und Werder steckt mitten im Abstiegskampf.

Eichin hatte auch gesagt, man müsse den Druck von der Mannschaft nehmen. Er hatte zwar nicht verraten, wie er das machen wollte, aber das hatte dann ja freundlicherweise der FC Augsburg am Freitagabend übernommen, indem er mit 0:1 in Mönchengladbach verlor. Die Bremer hätten also mit einem Sieg gegen Wolfsburg ihren Vorsprung auf den Relegationsplatz auf acht Punkte ausbauen können, der Klassenerhalt wäre damit so gut wie gesichert. Doch die Bremer spielten gestern wie ein Absteiger und müssen bei fünf Zählern Differenz zu Augsburg weiter zittern.

Der VfL Wolfsburg ist auch unter Dieter Hecking längst noch nicht wieder zu einer Spitzenmannschaft gereift. Seinem Team um die beiden Ex-Bremer Diego und Naldo reichte eine mittelmäßige Leistung gegen völlig desolate Bremer, es hat nun mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun. Früh nahm Maximilian Arnold aus rund 20 Metern Maß und überwand Werders Torhüter Sebastian Mielitz mit einem Flachschuss. Wer gehofft hatte, Werder würde sich jetzt aufbäumen, wurde bitter enttäuscht. Stattdessen erhöhte Ivica Olic nach einer knappen halben Stunde auf 2:0 für die Gäste.

Hatten die Zuschauer im Weserstadion bei den zuletzt ebenfalls höchst bescheidenen Auftritten erst zur Halbzeitpause ein Pfeifkonzert angestimmt, so pfiffen sie sich bereits nach dem 0:2 die Seele aus dem Leib. Und nach dem 0:3, das Diego per Foulelfmeter erzielte, sangen sogar die ganz treuen Werder-Fans in der Ostkurve: „Wir haben die Schnauze voll.“

Schon nach dem ersten Gegentreffer verriet die Körpersprache der Bremer Spieler, wie es um sie bestellt ist. Fast alle ließen die Köpfe hängen. Weder der wieder genesene Kapitän Clemens Fritz, noch der in der Hinrunde hoch gelobte Aaron Hunt schafften es Struktur ins Spiel zu bringen. Vor allem gelang es ihnen nicht, ihre verunsicherten Kollegen zu motivieren. „Wir wissen selbst nicht, wie wir das ändern können, uns fehlt jegliches Selbstvertrauen“, sagte Hunt. Und Fritz ergänzte: „Wir haben extreme Probleme nach negativen Erlebnissen unser Spielkonzept durchzusetzen.“ Viele in Bremen fragen sich inzwischen, ob Werder überhaupt noch ein Konzept besitzt.

Verantwortlich dafür ist der Trainer. Und der sagte: „Wenn ich das Problem sein sollte, dann trete ich aus dem Weg.“ Thomas Schaaf erklärte aber gleichzeitig, dass er nicht aus eigenen Stücken von seinem Posten zurücktreten werde. Das sei Aufgabe der Geschäftsführung. Und die scheint nach wie vor in Nibelungentreue hinter dem dienstältesten Trainer der Bundesliga zu stehen. Sven Bremer

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