Sport : Nur schnell weg

Nach dem 1:2 beim FC Augsburg steht Stuttgarts Trainer Labbadia vor dem Aus.

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Mund geschlossen, Zukunft offen. Bruno Labbadia verweigerte nach dem 1:2 in Augsburg Kommentare zum Spiel. Womöglich war es bereits sein letztes als VfB-Coach. Foto: dpa
Mund geschlossen, Zukunft offen. Bruno Labbadia verweigerte nach dem 1:2 in Augsburg Kommentare zum Spiel. Womöglich war es...Foto: dpa

Augsburg - Dass beim VfB Stuttgart einiges durcheinander geraten ist, zeigte sich nicht nur auf dem Rasen des Augsburger Stadions. Im Kabinengang stand ein Fernsehteam des Stuttgarter Haussenders „Südwestrundfunk“ und wartete auf das vereinbarte Interview mit Bruno Labbadia. Der Trainer ließ das Gespräch jedoch in letzter Sekunde platzen. Als die SWR-Crew in Manager Fredi Bobic Ersatz suchte, winkte auch der ab und fuhr zu einer Talkshow eines Privatsenders. Das Motto der sportlichen Leitung des VfB war offenbar: nur weg – egal wohin.

Labbadia hat sich zwar einige Male den Ruf erworben, ein Kämpfer zu sein. Nach dem 1:2 (1:2) vor 30 000 Zuschauern in Augsburg wachsen allerdings die Zweifel, ob der 47-Jährige auch dieses Mal den Umschwung schafft. In Augsburg verlor der VfB bereits das dritte Saisonspiel und steht mit null Punkten auf Rang 17. Ob Labbadia am Donnerstag noch auf der Trainerbank sitzt, wenn es im Rückspiel gegen Rijeka um den Einzug in die Europa League geht, scheint trotz seines Vertrages bis 2015 zumindest fraglich. Auf dem Weg in die Kabine wurde er jedenfalls mit "Bruno-Raus"-Rufen begleitet. Zwar streichelte Fredi Bobic Labbadia noch aufmunternd über den Arm. Aber auch der Manager weiß, dass es nun schwer wird, weiter zum Trainer zu stehen. Als Nachfolger wird seit Tagen der ehemalige VfB-Profi und aktuelle Nachwuchstrainer Thomas Schneider gehandelt. „Was in den 90 Minuten passiert ist, wirkt noch nach und wir müssen das erst einmal verdauen“, sagte Bobic. „Wir haben jetzt eine schwierige Situation, der müssen wir uns stellen“, ergänzte er. Wichtig sei, dass der Coach die Mannschaft erreiche – das klang schon fast wie eine Trennungsankündigung.

Dazu sah Ibrahima Traore in der 70. Minute die Rote Karte. Er rannte in seinen Gegenspieler Ronny Philp. Eine klare Fehlentscheidung, die die Stuttgarter zusätzlich schwächte. Doch auch mit elf Spielern hatte sich der VfB mehr als schwer getan.

Vieles von dem, was die Stuttgarter in Augsburg boten, sah hilf- und ratlos aus. Ein magerer Distanz-Schuss kam in der ersten Hälfte zustande und eben ein Elfmetergeschenk, als Paul Verhaegh ungeschickt Alex Maxim foulte und Vedad Ibisevic (41.) den Elfmeter zum 1:2 verwandelte. Der FCA brachte unterdessen seine bekannte Leidenschaft ein. Die Augsburger, bis dato zweimal ohne Sieg, waren lange die bessere Mannschaft. Sie kämpften nicht nur, sie waren dem VfB auch spielerisch überlegen. Dass es am Ende nur zwei Augsburger Tore wurden, war der Schludrigkeit im Abschluss geschuldet. Sascha Mölders lieferte den Höhepunkt, als er am leeren Tor vorbeischoss. Das erste Tor war zuvor Halil Altintop gelungen, der den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drückte. Jan Ingwer Callsen-Bracker sorgte für das 2:0.

Labbadia wechselte mehrfach System und Aufstellung - vergeblich. Die Kritik am Trainer, so heißt es, sei zuletzt auch im Kader größer geworden. Dass darunter auch Neuverpflichtungen waren, stärkte die Zweifel am Trainer, der in dieser Saison nur einen Sieg aufweisen kann: in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den BFC Dynamo. Schon vor der Partie in Augsburg hatte Fredi Bobic gefordert: „Wir müssen in Augsburg ohne Wenn und Aber punkten“. Das ging gründlich schief – und könnte Labbadia jetzt den Job kosten. Oliver Trust

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