Sport : Nur vom Feinsten

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Stefan Hermanns über Kölns fatalen Hang zum Glamour

Der Kölner an sich pflegt eine sehr herzliche Beziehung zu seiner Heimatstadt. In seinem größten Fußballstadion zum Beispiel werden bei Bundesligaspielen des örtlichen Fußballklubs FC die gegnerischen Fans „in der schönsten Stadt Deutschlands“ willkommen geheißen. Der Kölner meint das ernst, und diese Haltung verpflichtet. Zum Beispiel auch den Trainer des 1. FC Köln, des stolzesten Fußballklubs am Rhein. Er soll eloquent sein und verschwiegen, humorvoll und ernsthaft, akribisch, aber kein Fachidiot, und vor allem soll er Glanz in die Stadt bringen. Mal abgesehen davon, dass kein Trainer der Welt all diesen Eigenschaften gerecht werden kann – Marcel Koller, der aktuelle Amtsinhaber, ist gewissermaßen der komplette Gegenentwurf zu diesem Ideal.

Das Boulevardblatt „Express“ hat der Vereinsführung jetzt aufgetragen, den Trainer noch einmal zu wechseln. Es wird also ernst für Koller, der erst vor vier Monaten als Fachmann für modernen Fußball verpflichtet wurde. Fürs kölsche Gemüt wirkt der Schweizer zu ernst und verschlossen. Da hilft ihm auch nicht, dass er am Elften im Elften geboren ist, am höchsten kölschen Feiertag, und dass er einst unter Kölns letztem Meistertrainer Hennes Weisweiler trainiert hat.

Ein bisschen erinnert Koller an Lorenz- Günther Köstner. Der kam 1997 für den Hallodri Peter Neururer, führte die Mannschaft in aller Unaufgeregtheit und konnte doch den Abstieg nicht verhindern. Der künftige Zweitligist trennte sich daraufhin von Köstner – mit der Begründung, dass der eben nur ein Zweitliga-Trainer sei. Köstner ging zu Unterhaching und stieg am Ende der Saison auf. Der 1. FC Köln musste noch ein Jahr warten.

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