Sport : Nur zweite Wahl

Warum für Weltmeister Serbien-Montenegro die Basketball-EM 2003 nicht so wichtig ist

Benedikt Voigt

Stockholm. Wenn die NBA-Legende Larry Bird gemächlich in Jeans und Poloshirt auf das Spielfeld im Globen schreitet, bringt er jedesmal ein silbernes Päckchen mit. Der 47-Jährige überreichte auch am Mittwoch bei der Finalrunde der Basketball-Europameisterschaft dem unterhaltsamsten Spieler einer jeden Partie ein Geschenk. Nach dem Viertelfinale zwischen Serbien-Montenegro und Litauen drückte er sein Päckchen dem Litauer Ramunas Siskauskas in die Hand. Es war die letzte Gelegenheit bei dieser EM, dass es auch ein Spieler von Serbien-Montenegro bekommen konnte. Denn nach dem 82:98 (43:57) gegen Litauen spielt der amtierende Welt- und Europameister nur noch um die Plätze fünf bis acht.

„Das größte Problem lag in der ersten Halbzeit, als unsere Verteidigung nicht funktionierte“, sagte Serbien-Montenegros Flügelspieler Dusan Vukcevic, „es ist eine Schande, so zu spielen.“ Sein Team musste auf den NBA-Profi Predrag Stojakovic von den Sacramento Kings verzichten, der sich beim Ausscheidungsspiel gegen die Türkei (80:76) eine Sprunggelenksverletzung zuzog und in diesem Turnier wohl nicht mehr spielen wird. Doch das Scheitern im Viertelfinale ist nicht weiter schlimm. Im Gegensatz zum deutschen Team, das durch sein Scheitern in der Vorrunde die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2002 verpasste, ist Serbien-Montenegro als Weltmeister dafür qualifiziert. „Natürlich geht es hier um Ruhm und Ehre, aber wir sind schon achtmal Europameister geworden“, sagt Alex Krstanovic von der serbisch-montenegrinischen Nachrichtenagentur „Sportskacentrala“. „Diese Europameisterschaft ist nicht so wichtig.“

Das sahen der NBA-Profi Vlade Divac (Sacramento Kings) sowie Dejan Tomasevic (Tau Vitoria) und Dejan Bodiroga (FC Barcelona) ebenso und nahmen erst gar nicht an der EM teil. Trainer Svetislav Pesic musste sein Amt aufgeben, weil sein Verein FC Barcelona die Doppelbelastung nicht wollte. „Der neue Trainer Dusan Vujosevic ist nicht so beliebt unter den Spielern“, sagt Krstanovic. Die Mannschaft, die Vujosevic schließlich aufbot, konnte bei der EM nicht überzeugen. Darunter ist auch der ehemalige Centerspieler von Alba Berlin, Dejan Koturovic, der gegen Litauen in 21 Spielminuten nur vier Punkte erzielte und drei Rebounds fing.

Doch viel wichtiger ist für das Land nun die Olympia-Vorbereitung. Schon steht Trainer Svetislav Pesic wieder zur Debatte. „Er könnte wie 1987, als er mit Jugoslawien Junioren-Weltmeister wurde, wieder gegen Trainer Larry Brown spielen“, sagt Krstanovic. In Athen werden die USA nach dem peinlichen sechsten Platz bei der WM von Indianapolis wieder ein Team mit den besten NBA-Profis ins Rennen schicken, darunter wohl auch Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers. Und es gibt einen guten Grund, auch die nächste Europameisterschaft ernster zu nehmen: Sie findet 2005 in Belgrad statt.

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