Sport : Österreich: Doping auf der Blutbank? Ermittlungen gegen Firma

nach Hinweis der Wada

Wien - Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) verdächtigt eine Wiener Blutbank, an Doping von Sportlern beteiligt gewesen zu sein. Der Wiener Zeitung „Kurier“ zufolge hat der frühere Wada-Chef Richard Pound im vergangenen November in einem Schreiben an den für Sport zuständigen Wiener Staatssekretär Reinhold Lopatka erklärt, es bestünden „gute Gründe“ zur Annahme, dass die in Wien ansässige Firma „teilweise Athleten beim Blutdoping unterstützen soll“. Inzwischen ermittelt das österreichische Innenministerium in dem Fall. Nach Angaben der Zeitung bestreitet das Unternehmen allerdings, Sportler mit Blutplasma zu verbotener Leistungssteigerung verholfen zu haben. Ein Sprecher der Firma bestritt die Vorwürfe.

In dem Schreiben des ehemaligen Wada-Chefs werden laut „Kurier“ keine Sportler namentlich genannt. Pound erbitte darin jedoch Auskunft darüber, ob und welche Athleten in eine mögliche Affäre verwickelt sind. Pound reagierte offenbar auf Berichte der„Zeit“, die im November 2007 über angebliche Doping- Machenschaften in Wien berichtetet hatte. Angeblich tauchten in Berichten Namen von Sportlern auf, die sich in der Blutbank regelmäßig – vermutlich außerhalb der normalen Dienstzeiten am Sonntagmorgen – behandeln ließen. Als medizinischer Betreuer müsse dabei mindestens ein Arzt fungiert haben.

Die verdächtigte Firma betreibt dem Bericht zufolge in Österreich fünf Niederlassungen. Geschäftsführer Lothar Baumgartner bestreitet, die für solche Bluttransfusioenen die nötige Ausrüstung zu besitzen: „Blutdoping ist in meiner Firma nicht erfüllbar.“ Dem widerspricht der Kärntner Richter Arnold Riebenbauer, der nach der österreichischen Doping-Affäre bei den Olympischen Winterspielen von Turin 2006 vom Österreichischen Skiverband (ÖSV) mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt worden war. Seinen Angaben zufolge „bekamen (wir) schriftliche Informationen des Instituts, die Anderes nahe legen“. Im Zusammenhang mit der Turiner Affäre wurden 2007 mehrere österreichische Skiläufer in den nordischen Disziplinen mit einer lebenslangen Sperre für Olympia belegt.

Für den Präsidenten des ÖSV, Peter Schröcksnadel, sind Pounds Angaben jedoch nicht ausreichend. „Man braucht Beweise“, sagte Riebenbauer. Um die Vorwürfe belegen zu können, bedürfe es vermutlich eines Kronzeugen. Ein Sportler genüge schon, um dies zu erreichen. Potenzielle Kandidaten seien Athleten aus dem nordischen Skisport und aus dem Radsport. dpa

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