Sport : Offene russische Meisterschaften

Bei den Katar German Open standen vier Tennisspielerinnen aus Russland im Viertelfinale

Benedikt Voigt

Berlin - Das orientalische Schloss auf der Tennisanlage an der Hundekehle führt ein wenig in die Irre. Zwar stimmt es, dass das Tennisturnier inzwischen von Katarern organisiert wird und deshalb Katar German Open heißt. Die wichtigste Nationalität aber, was das Sportliche betrifft, repräsentierte jener Fan, der am Freitag mit einer weiß-blau-roten Fahne auf der Haupttribüne des Steffi- Graf-Stadions saß. Er konnte seine Fahne in jedem einzelnen der vier Viertelfinalspiele der German Open schwenken, jedes Mal war eine Landsfrau dabei: aus Russland.

So konnte der Tennisfan über Nadja Petrowas 6:2, 6:3-Erfolg über die an Nummer zwei gesetzte Amelie Mauresmo jubeln. Ihr Erfolg ist ein bisschen überraschend, hatte man vor dem Turnier doch eher ihre Landsfrauen Jelena Dementjewa, Anastasia Myskina, Swetlana Kusnetsowa oder Maria Scharapowa im Halbfinale erwartet. Doch Dementjewa sagte verletzungsbedingt ab, Myskina schied frühzeitig aus, und Kusnetsowa verabschiedete sich im Viertelfinale 2:6, 2:6 gegen Patty Schnyder. Die Russinnen Scharapowa und Elena Bowina hatten gestern noch die Chance, ins Halbfinale einzuziehen (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet).

Nadja Petrowa stand bislang stets im Schatten ihrer sportlich erfolgreicheren Landsfrauen. In jedem anderen Land hätte die aktuelle Nummer zwölf der Weltrangliste einen größeren Stellenwert, in Russland aber ist sie nur eine unter vielen. „Ich schaue nur auf meine eigene Leistung“, sagt Petrowa, „mir ist es egal, ob ich in meinen Land die Nummer eins oder nur die Nummer zwei oder drei bin.“ Gegenwärtig aber ist sie lediglich die Nummer fünf oder sechs in Russland.

Womöglich ändert sich das demnächst. Die Turnierfavoritin Amelie Mauresmo hatte sie in ihrem Viertelfinale ständig unter Kontrolle. „Ich habe heute sehr solide gespielt“, sagte die 22-Jährige, „ich habe keine großen Fehler gemacht.“ Mit ihren harten Aufschlägen stellte sie Mauresmo vor eine Aufgabe, die die Französin nicht lösen konnte. „Ich muss noch viel arbeiten, um in Zukunft wieder besser zu spielen“, sagte Mauresmo, die in den vergangenen Jahren eigentlich immer auch als Favoritin für die French Open in Paris (23. Mai bis 5. Juni) galt. Jetzt aber sagt sie: „Der Ausgang des Turniers ist auch in diesem Jahr wieder sehr offen.“ Auch Nadja Petrowa darf sich seit ihrem gestrigen Sieg zum Kreis der Favoritinnen rechnen. Auf Sand hat sie bisher ihren größten Erfolg erzielt, als sie 2003 in Paris das Halbfinale erreichte. In diesem Jahr ist sie ehrgeiziger und psychisch stabiler geworden, wie auch der souveräne Erfolg über Mauresmo zeigte. In dieser Form könnte sie in Berlin auch den Titel gewinnen. „Ich werde mein Bestes tun“, sagt Petrowa. Der Fan auf der Haupttribüne sollte seine russische Fahne jedenfalls noch nicht einpacken.

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