Sport : Oft genug verloren

Nach dem Ausscheiden aus dem Uleb-Cup hofft Alba auf Pokal und Meisterschaft – und will wieder in die Euroleague

Benedikt Voigt

Berlin - Henning Harnisch hat in dieser Saison eine undankbare Aufgabe übernommen. Nach jedem Auswärtsspiel im Uleb-Cup gibt der Teammanager von Alba Berlin am folgenden Morgen einem Berliner Radiosender ein Telefoninterview. Als er gestern wieder auf Sendung ging, beklagte sich Harnisch freundlich, dass er ständig Niederlagen analysieren müsse. Lieber spräche er über die Städte und die Flughäfen, die er mit Alba bereist habe. Besserung ist er in der kommenden Woche in Sicht: Dann ist die Uleb-Cup-Saison endgültig vorbei.

Es ist mal wieder eine unerfreuliche internationale Spielzeit für die Berliner Basketballer geworden. „Ziel verfehlt“, resümiert Trainer Henrik Rödl. Unmittelbar vor der Niederlage am Dienstagabend beim belgischen Klub Euphony Bree (74:82) hatten die Berliner Basketballer erfahren, dass sie nicht mehr die nächste Runde im Uleb-Cup erreichen können. Ventspils’ Heimsieg über Sofia hatte auch die letzte Minimalchance zunichte gemacht, Albas anschließendes Spiel war bedeutungslos. „Wir haben diese Nachricht nicht mehr aus den Köpfen rausbekommen“, sagt Rödl. Am kommenden Dienstag im letzten Uleb-Cup-Spiel gegen Ventspils kann Alba bestenfalls den vorletzten Platz erreichen. „Damit können wir nicht zufrieden sein“, sagt Albas Vizepräsident Marco Baldi.

Es gibt einige Gründe für das frühe Ausscheiden: Die Niederlage in letzter Sekunde gegen Saloniki im ersten Spiel, die Grippe von Centerspieler Jovo Stanojevic im dritten Spiel in Madrid oder Matej Mamics tragischen Unfall vor dem vierten Spiel gegen Bree. „Wir sind unter Wert geschlagen worden“, sagt Henrik Rödl, „wir sind an einigen Umständen gescheitert.“

Allerdings fällt auf, dass Alba bereits seit fünf Jahren international an den Umständen scheitert. Das letzte zufrieden stellende Ergebnis datiert aus der Saison 2000/2001, als die Berliner in der Suproleague das Viertelfinale erreichten. Danach kam Alba drei Jahre lang in der Euroleague nicht in die nächste Runde, seit zwei Jahren gelingt es den Berliner Basketballern auch eine Liga tiefer nicht. Trotzdem sagt Rödl: „Wir sind besser, als es den Anschein hat, das haben wir in den letzten Wochen gezeigt.“ Präsident Dieter Hauert gibt immerhin zu, dass der Verein in dieser Saison einen Imageverlust erlitten haben könnte. Er kündigte Verstärkungen an.

Zumal Ligakonkurrent GHP Bamberg gestern in der Euroleague bereits den sechsten Sieg im zehnten Spiel feierte. Was hat Bamberg, was Alba nicht hat? „Die gewinnen“, sagt Rödl. Bamberg erlebt gegenwärtig nach dem ersten Meistertitel eine Euphorie wie sie Ende der Neunzigerjahre bei Alba herrschte. Baldi sagt: „Man kann nur einmal zum ersten Mal Meister werden.“ Er gibt aber zu: „Es ist schon super, was Bamberg leistet.“

Für seinen Klub sind nun die verbleibenden Aufgaben noch wichtiger: Pokalsieg und Meistertitel. „Wir vertreten unsere Ziele weiter offensiv“, sagt Baldi. Geplant ist auch, so schnell wie möglich in die Euroleague zurückzukehren. Langfristig will Alba dort sogar zu den Spitzenkräften zählen. Doch der Klub weiß, dass dieses Vorhaben durch das frühzeitige Aus im Uleb-Cup erneut konterkariert wird. „Jetzt wird wieder gesagt, dass es international für uns nicht reicht“, sagt Albas Vizepräsident. „Im Moment fehlen uns die Argumente dagegen.“

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