Sport : Ohne Absicht unfair

Lutz Michael Fröhlich

89. Minute im Westfalenstadion: Borussia Dortmund drängt gegen Bayern München auf den Ausgleich. Da starten die Münchner einen Konter. Roy Makaay stürmt Richtung Tor der Dortmunder, ihm eilt Borussias Nachwuchsspieler Kosi Saka hinterher. Bei der Verfolgung tritt Saka dem Bayern-Stürmer in die Hacken, wohl unabsichtlich. Schiedsrichter Fandel zieht gegen Saka die Rote Karte: Notbremse. War das gerecht, Herr Fröhlich?

Regeltechnisch wird als Notbremse eine Situation bezeichnet, in der einem angreifenden Spieler eine Torchance genommen wird durch ein Vergehen, das einen Freistoß oder einen Strafstoß nach sich zieht. Das Vergehen kann darin bestehen, dass der Gegenspieler entweder fahrlässig oder rücksichtslos und mit unverhältnismäßigem Einsatz handelt. In diesem Fall liegt eher eine Fahrlässigkeit durch den Gegenspieler vor. Makaay war in der Situation etwa zehn Meter hinter der Mittellinie, in zentraler Position zum gegnerischen Tor. Er hatte die Poleposition und schon Fahrt aufgenommen, drei oder vier Sekunden später hätte sich für ihn ungehindert die Torschussmöglichkeit ergeben. In dieser Situation tritt ihm der Dortmunder Kosi Saka in die Hacken. Ob absichtlich oder unabsichtlich, ist in diesem Fall kein Bewertungskriterium für den Schiedsrichter. Entscheidend ist, dass hier eine klare Torchance verhindert wurde durch eine fahrlässige Handlungsweise des Gegenspielers. Die Rote Karte war demnach gerechtfertigt.

Anders wäre es gewesen, wenn Makaay, noch mit dem Rücken zum Tor, gerade bei der Ballannahme gewesen oder von links- oder rechtsaußen aufs Tor zugelaufen wäre. Dann hätte der Schiedsrichter den Vorgang auch als keine offensichtliche Torchance bewerten können.

Bei der späteren Bemessung der Sperre wirkt strafmindernd, wenn kein Vorsatz bei dem Vergehen nachgewiesen werden kann. Straferhöhend ist es, wenn z. B. der Spieler in dieser Situation seinem Gegner in die Beine gegrätscht oder ihn vorsätzlich am Trikot festgehalten hätte.

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