Ohne Alterserscheinungen : Miroslav Klose: Wie aus einer anderen Zeit

Miroslav Klose spielt seit elf Jahren für die Nationalmannschaft, doch erst in hohem Alter ist er richtig wertvoll für das Team von Bundestrainer Joachim Löw geworden.

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Kopfballstark war Miroslav Klose schon immer. Aber mit zunehmenden Alter hat er noch viel mehr dazugelernt.
Kopfballstark war Miroslav Klose schon immer. Aber mit zunehmenden Alter hat er noch viel mehr dazugelernt.Foto: dapd

Exzellente Stürmer besitzen die Gabe, bestimmte Situationen im Voraus zu erahnen. Sie erkennen Lücken, die sich erst noch auftun, und sie sind schon hindurchgeschlüpft, wenn ihre Gegner noch um Orientierung ringen. Miroslav Klose ist ein exzellenter Stürmer. Das hat er auch in der Vorbereitung auf die Europameisterschaft bewiesen, als die Nationalmannschaft zu einem Medientag in ihr Hotel geladen hatte. Die Veranstaltung neigte sich dem Ende zu, die meisten Fragen waren gestellt, da rief Harald Stenger, der Pressechef der Nationalmannschaft, durch den Saal: „Braucht noch jemand den Poldi?“ Niemand antwortete, Lukas Podolski trottete Richtung Ausgang. „Braucht noch jemand den Miro?“, fragte Stenger. „Nein!“, rief Klose. Noch bevor jemand widersprechen konnte, war er aufgesprungen, hatte sich umgedreht und war verschwunden.

In solchen Momenten ist in Klose immer noch der scheue Miro aus den Anfängen seiner Karriere zu erkennen. Vor elf Jahren hat er in der Nationalelf debütiert, Wörns und Hamann hießen damals seine Mitspieler, den Teamchef nannte Klose ehrfürchtig „Herr Völler“, und den Kollegen Oliver Kahn siezte er. Wenn Klose heute über diese Zeit erzählt, klingt bei ihm eine gewisse Distanz zu sich selbst heraus – als spräche er über eine andere Person, mit der er nicht viel zu tun hat. „Früher war ich vollblind“, hat er Anfang dieser Woche gesagt. „Ich glaube nicht, dass ich etwas vom jungen Klose haben will.“

Wenn die Nationalelf am Samstag gegen Portugal in die EM startet, ist das für Klose ein in doppelter Hinsicht besonderes Spiel. Zum einen ist sein Geburtsland Polen Mit-Ausrichter des Turniers, zum anderen hat Klose am 9. Juni Geburtstag. Dass er selbst mit 34 noch beste Chancen hat, in der Startelf zu stehen, sagt viel über seine Qualitäten: über den Eifer und Durchhaltewillen, vor allem aber über seine fußballerische Klasse, die im Alter noch deutlich zugenommen hat.

Der deutsche EM-Kader in unserer Bildergalerie:

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Auf geht's! Im Gefolge von Bundestrainer Joachim Löw (oben) brachen am Montag 23 Nationalspieler in Richtung ihres EM-Quartiers bei Danzig auf. Lesen Sie im folgenden, welche Spielertypen Löw mit auf die Reise zur Europameisterschaft in Polen und der Ukraine nimmt.Weitere Bilder anzeigen
1 von 25Foto: Reuters
04.06.2012 11:55Auf geht's! Im Gefolge von Bundestrainer Joachim Löw (oben) brachen am Montag 23 Nationalspieler in Richtung ihres EM-Quartiers...

Klose ist jetzt selbst eine spielende Legende. An Länderspielen wird er nur von Lothar Matthäus übertroffen, und zu Gerd Müllers vermeintlichem Torrekord für die Ewigkeit fehlen ihm ganze fünf Treffer. Nicht schlecht für einen, der mit 20 noch für die SG Blaubach-Diedelkopf in der Bezirksliga gespielt hat. Zu Beginn seiner Karriere gab es kaum ein Porträt, in dem Kloses Heimatverein aus der Pfalz nicht erwähnt wurde. Der Klub mit dem lustigen Namen war so etwas wie das Synonym für die Provinz, aus der er aufgebrochen ist. Klose hat sie längst hinter sich gelassen, geografisch und fußballerisch. „Klose ist ein Spieler einer höheren Kategorie“, hat die „Gazetta dello Sport“ über den Stürmer von Lazio Rom geschrieben. „Jeder seiner Schritte ist intelligent.“

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