Sport : Ohne Auflagen

Hooligans können bei Länderspielen von der Reise abgehalten werden – in Slowenien ist das nicht geschehen

André Görke

Berlin - Die Bochumer Polizei konnte am Dienstag einen Erfolg verkünden: Die Beamten hätten Ermittlungen gegen einen 23 Jahre alten Hooligan aufgenommen, der in die Ausschreitungen beim Fußball-Länderspiel in Slowenien verwickelt sei. Wie die Bochumer Polizei den Mann erkannt hatte? „Wir haben ihn auf einem Foto in der Zeitung gesehen.“

Die Aufarbeitung der Vorfälle vom Wochenende, als etwa 250 deutsche Hooligans in Celje randalierten und sich mit der Polizei prügelten, bedarf etwas Improvisation. Denn szenekundige Polizeibeamte durften nicht nach Slowenien einreisen. „Wir haben im Vorfeld nur Einschätzungen abgeliefert“, heißt es in hohen Polizeikreisen. „Aber wir wurden von den Kollegen vor Ort nicht eingeladen.“ Also durften deutsche Hooligan-Experten nicht mitreisen und konnten im Ausland auch nicht aktiv werden.

Vor gut zwei Wochen ist ein Schreiben der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), die eine Datei „Gewalttäter Sport“ führt, an die Behörden in Slowenien geschickt worden. Das slowenische Innenministerium hat die Warnung mittlerweile bestätigt. Die deutschen Landesinformationsstellen Sporteinsätze hatten vor dem Spiel von „vagen Hinweisen“ gesprochen, die allerdings nicht für Meldeauflagen und somit ein Reiseverbot für deutsche Hooligans gereicht hätten.

Meldeauflagen hatte die Polizei etwa bei der Fußball-Europameisterschaft im vergangenen Jahr in Portugal ausgesprochen. Demnach mussten sich allein in Berlin sieben registrierte Hooligans während der Spiele auf ihrem Revier in Berlin melden. Bei 46 anderen Hooligans wurde eine „Gefährderansprache“ durchgeführt – das heißt, sie wurden persönlich vor Gesetzesverstößen gewarnt, durften aber reisen. „Es ist nicht einfach, ein Reiseverbot zu verhängen“, sagen kundige Polizisten. Die Kriterien werden aus „taktischen Gründen“ nicht verraten; nur, dass „die Herren sehr aktiv sein müssen“. Genau das ist das Problem der Polizei. „Die Hooliganszene verhält sich sehr konspirativ“, sagt Iris Tappendorf, Chefin der „Ermittlungsgruppe Hooligan“ der Berliner Polizei.

Verabredete Schlägereien von Hooligangruppen finden seit Jahren fernab deutscher Stadien statt, Experten sprechen von „Wald- und Wiesenjungs“. Nun sind gewaltbereite Fans wieder kurzzeitig in die Öffentlichkeit getreten. Ein Länderspiel wie das in Slowenien kommt Krawallmachern entgegen, weil sie ahnen, dass die örtliche Polizei nicht so gut organisiert ist wie die in Westeuropa. Die Deutschen arbeiten etwa eng mit italienischen Behörden zusammen. Tritt ein Fußballklub im Europapokal in Mailand an, dürfen szenekundige Beamte zur Unterstützung einreisen. Auch wenn die deutsche Nationalmannschaft im August zum Länderspiel nach Holland reist, wollen die Behörden kooperieren. Als problematischer stufen Experten das Gastspiel im September in der Slowakei ein. Wieder gibt es einen kleinen Gegner in Osteuropa, wieder eine kurze Anreise und vor allem: eine slowakische Hooliganszene. In Slowenien haben sich deutsche Hooligans mit Polizisten geprügelt, die Slowaken dagegen haben sich schon schlimme Schlägereien mit Engländern geliefert. Die deutsche Szene „wird sich zum Kräftemessen formieren“, glauben Insider.

Für viele der 2500 Hooligans, die bei der ZIS in der gefährlichen „Kategorie C“ registriert sind, könnte die Fußball-WM eine Art „Karriereende“ werden. Die deutschen Hooligans hatten sich in den achtziger Jahren gegründet, viele Männer sind Mitte dreißig. Die Polizei beobachtet, dass Gruppen wie „Borussenfront“ (Dortmund), „Adlerfront“ (Frankfurt) oder „Northside“ (Köln) wieder häufiger in Erscheinung treten. Ein Experte sagt: „Das sieht regelrecht so aus, als ob die für die WM trainieren.“

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