Sport : Ohne den Scheich aus der Kiste

Karsten Doneck

Die Zahlen für die nächste Saison liegen auf dem Tisch. Gerechnet wurde, noch in althergebrachter Weise, in D-Mark. 9,37 Millionen Mark umfasst das Gesamtvolumen, allein rund sieben Millionen Mark davon kommen aus dem Fernsehtopf. Solche Kalkulationen haben nur einen kleinen Makel: Sie können samt und sonders in den Papierkorb geworfen werden. Der SV Babelsberg 03 braucht keinen Etatentwurf mehr für die Zweite Fußball-Bundesliga, den Spielern bleibt in der restlichen Saison nur noch ein höchst bescheidenes Ziel, nämlich, wie Trainer Horst Franz es so höflich formuliert, "sich mit Würde aus der Klasse zu verabschieden". Und bei den Haushalts-Berechnungen für die Regionalliga hat der Verein offenbar reichlich Rotstifte verbraucht. "Es wird eine äußerst sparsame Saison werden", kündigt Detlef Kaminski, der Vorstandsvorsitzende der Babelsberger, an.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Zwar konnte Kaminski berichten, dass der Verein im Geschäftsjahr 2001 "ein positives Vermögensergebnis in Höhe von 112 996,62 D-Mark erwirtschaftet hat" und der Jahresumsatz bei über acht Millionen Mark lag, doch Freude kommt deshalb bei ihm nicht auf. In der Bilanz taucht eben auch Geld auf, dass gar nicht da ist - und vielleicht nie auf dem Vereinskonto eintrudeln wird. Einige Sponsoren der Babelsberger haben, so Kaminski, "ihre Leistungen für die jetzige Saison noch nicht erbracht". Allein aus diesem Posten fehlen 750 000 Mark in der Kasse.

Insgesamt wollen die Babelsberger in Liga drei mit 1,7 Millionen Euro wirtschaften. So stellt sich das jedenfalls der Vorstand vor. Aber dazu muss der Aufsichtsrat erstmal seinen Segen geben. Dessen Vorsitzender Dr. Marc Schulten hat gerade durch einen eigenartigen Schachzug für Erheiterung in Brandenburgs Fußballkreisen gesorgt: Er ließ verkünden, Babelsberg 03 habe einen Kooperationsvertrag mit Viktoria Aschaffenburg geschlossen. Als wenn es in Babelsberg nichts Wichtigeres zu tun gäbe ... Die Verbindung zu dem Klub aus dem Süden rührt daher, dass Schulten mal selbst in Aschaffenburg in der Jugend gespielt hat.

Es soll im unmittelbaren Umfeld der Babelsberger ja auch Träumer geben, die meinen, der Verein müsse unbedingt für die Rückkehr in die Zweite Liga powern - koste es, was wolle. Kaminski reagiert da besonnener. "Wir haben mal Zeiten gehabt", erinnert er sich, "da haben die Spieler zweieinhalb Monate lang kein Geld bekommen. So etwas wird es unter mir nicht wieder geben." Notfalls will er sogar sein Amt zum 30. Juni zur Verfügung stellen. Zumal er überzeugt ist: "Den großen Scheich aus Dubai wird unser Aufsichtsrat auch nicht mehr aus der Kiste zaubern."

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