Sport : Ohne Quark und Käse

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Ajima. Respektvoller Ausdruck für „verheiratete Frau“. Daher auch Anrede für nahezu jede Hotel-, Restaurant-, Laden- oder Imbissstand-Betreiberin. Merke: Ajimas haben grundsätzlich eine Dauerwelle. Das männliche Pendant heißt Ajoshi.

Buchstaben. Han-gul, die koreanische Schrift besteht aus 24 Buchstaben, die je zu zweit, zu dritt oder zu viert eine Silbe ergeben. Die Schrift wurde Mitte des 15. Jahrhunderts unter König Sejong von einem Gelehrtenrat erdacht. Sie ist leicht zu lernen – nur was die Wörter bedeuten, weiß man immer noch nicht. Die koreanische Sprache ist nämlich alles andere als leicht zu lernen.

Cha Bum-kun. Berühmtester koreanischer Fußballspieler. Früher auch in Deutschland aktiv (Frankfurt, Leverkusen).

Deutsche. Werden von den Koreanern bewundert. Für ihren Fleiß, ihre Autos, ihre Arbeitsmoral, ihren wirtschaftlichen Erfolg, ihre Wiedervereinigung.

Essen. Die Hauptbestandteile der koreanischen Küche sind – neben Reis – Fleisch, Knoblauch und Kimchi. Man isst in der Regel in der Gruppe (wie man eigentlich alles in einer Gruppe tut), am Ende zahlt der Einladende.

Fußball. Kann an Beliebtheit bei weitem nicht mit Baseball mithalten. Doch während der WM wird es kein anderes Thema geben. Die Fans der Nationalmannschaft heißen „Red Devils“ (Rote Teufel) und machen beim Spiel jede Menge Radau.

Gesicht. Kann in seiner Bedeutung gar nicht überschätzt werden. Der Koreaner wahrt um jeden Preis sein Gesicht. Wer es verliert, ist unten durch – nicht nur bei sich selber. Sein Gesicht zu wahren, ist die internalisierte Form der enormen sozialen Kontrolle in Korea. Gesichtsverlust droht schon bei übertriebenen Gefühlsäußerungen.

Hof. So heißen die überaus beliebten koreanischen Bierlokale – obwohl es den Laut „f“ im Koreanischen überhaupt nicht gibt. Hof kommt vom deutschen „Gasthof“, und wird deshalb auch gern in Fraktur geschrieben. Ein anderes Lehnwort aus dem Deutschen ist „Arbeit“ – und meint seltsamerweise „Teilzeitjob“.

IMF-Shidae. Ausdruck für die Asienkrise von 1997/98, unter deren Nachwirkungen das Land noch heute leidet. Wörtlich: Weltwährungsfonds-Krise (IMF = International Monetary Fund). Verantwortlich dafür waren allerdings vor allem massenhaft faule Kredite in den asiatischen Volkswirtschaften; der IMF verordnete nur die harte Therapie. Doch fremde Mächte zu bezichtigen, kommt immer gut.

Japan. Ganz böse Sache. Alter Feind und Konkurrent und immer wieder, zuletzt von 1910–45, brutale Kolonialmacht. Manches, was uns klassisch japanisch dünkt, gilt vielen Koreanern als ihre Erfindung, die die Japaner nur abgeschaut hätten, z. B. Sushi. Nichts ist bei der WM wichtiger, als besser abzuschneiden als Japan.

Kimchi. Die nationale Speiseobsession. Scharf eingelegter Chinakohl. Gibt’s als Beilage immer und zu allem.

Linke Hand. Gilt als unfein. Vor allem ist es überaus unhöflich, jemandem etwas mit links zu reichen. Man gibt immer mit rechts und Respektspersonen mit beiden Händen.

Maekju. Bier. Sehr verbreitet und trinkbar. „Maekju han byong chuseyo!“ heißt „Eine Flasche Bier, bitte!“ Das Nationalgetränk aber heißt Soju, ist eine Art Reislikör und Geschmackssache.

Nation. Sie nennen sich Han, ihr Land heißt Han-guk. In Süd-Korea leben rund 46 Millionen Menschen, davon etwa ein Viertel in der Hauptstadt Seoul (durch die ein Fluss ns Han fließt). In Nord-Korea leben, vollkommen abgeschottet vom Süden, noch einmal schätzungsweise 22 Millionen Menschen.

Orientierung. In den Städten heißen die Bezirke Gu, die wiederum in kleine Viertel, Dong, unterteilt sind. Die großen Straßen haben alle Namen, die größten sogar in lateinischer Umschrift. Die Gässchen und Wege innerhalb der Dong aber sind namenlos, die Häuser ohne System durchnummeriert. Deshalb ist auf die meisten Visitenkarten hinten eine kleine Karte gedruckt, die den Weg zum jeweiligen Büro oder Geschäft zeigt.

Person. Ein Koreaner ist als Person weniger ausgezeichnet durch seine Individualität als durch seinen Platz in einem komplizierten Geflecht von Rangfolgen, Statusunterschieden, Gruppenzugehörigkeiten. Rangniedrige sind den -höheren gegenüber zu tiefem Respekt verpflichtet. Die koreanische Sprache kennt eine solche Fülle höchst spezifischer Höflichkeitsformen, dass auch Einheimische einander kaum ansprechen, wenn sie sich nicht vorgestellt wurden: Sie könnten sich zu leicht im Ton vergreifen.

Quark. Ist zur Verwunderung der Europäer in Korea völlig unbekannt. Auch Käse isst man hier nicht.

Religion. Die religiöse Vielfalt ist enorm. Rund 20 Prozent sind Buddhisten, ebenso viele Protestanten, rund vier Prozent Katholiken. Der Rest Konfuzianer (die keine Kirche haben), Gläubige diverser Mischreligionen (deren größte die Mun-Sekte ist) und – ziemlich viele – Anhänger des Schamanismus.

Stäbchen. Vermutlich, weil die Chinesen runde Stäbchen haben und die Japaner vierkantige, und um sich davon abzugrenzen, verwenden die Koreaner flache, stählerne.

Trinken (Alkohol). Gehört zu – männlicher – Geselligkeit und Geschäftsverhandlungen einfach dazu. Viele Koreaner glauben zudem, man kenne jemanden erst richtig, wenn man mit ihm gesoffen hat. Entsprechend hoch ist der Alkoholkonsum – pro Kopf einer der höchsten der Welt.

Umschrift. Es gibt eine offizielle Transskription der koreanischen Schriftzeichen in lateinische. Zwei konkurrierende sind im Westen gebräuchlich - und der gewöhnliche Koreaner wirft sie alle durcheinander und schreibt nach Belieben.

Verbeugung. Traditionelle Form der Begrüßung.

Wiedervereinigung. Offizielles Staatsziel beider Koreas. Doch seit der deutschen Erfahrung sind sich die Südkoreaner da nicht mehr so sicher.

Xenophobie. Selbst in Seoul sind nicht einmal 0,5 Prozent der Einwohner Ausländer. Daher sind die Koreaner Fremden gegenüber zwar einerseits neugierig und offen – aber nur, wenn sie aus dem Westen kommen (und besser nicht aus den USA).

Ye. „Ja“. Nein heißt anyo – aber das sagt man selten, denn es klingt unhöflich.

Zahlen. Da ungefähr jedes dritte koreanische Wort aus dem Chinesischen kommt, überrascht es nicht, dass es auch zwei Zahlenreihen gibt: eine koreanische und eine dem Chinesischen entlehnte. Holger Wild

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