Sport : Ohne Ruhe keine Kraft

Kim Clijsters gibt bei den German Open verletzt auf – viele Spielerinnen sind überlastet

Benedikt Voigt

Berlin. Als Kim Clijsters gestern Mittag zum Aufwärmplatz Nummer sechs ging, sah sie so aus, als hätte sie sich den rechten Arm gebrochen. In großem Winkel stand der Oberarm vom Köper ab. Ihr Unterarm wirkte so steif, als würde sie unterm Trainingsanzug einen Gips tragen. Erst als sie den Platz betrat, wurde klar, dass der Arm deshalb so bewegungslos aussah, weil sie ihn auf ihrer riesigen Sporttasche abgestützt hatte.

Verletzt jedoch ist ihr linkes Handgelenk, auf das sie in Indian Wells gestürzt war, und das in einer gelben Bandage ruht. Wegen dieser Verletzung zog die an Nummer eins gesetzte Belgierin nach dem Aufwärmtraining ihre Teilnahme an den German Open zurück. „Meine Handgelenksverletzung ist im Spiel am Mittwoch wieder aufgebrochen“, sagte Kim Clijsters, „ich denke, ich brauche noch etwas mehr Pause.“ Ihre Teilnahme in Rom hat die 20-Jährige bereits abgesagt; die Chancen, bei den French Open in Paris anzutreten, beziffert sie auf gerade „50 Prozent“. In Berlin zog Clijsters Gegnerin Karolina Sprem kampflos ins Viertelfinale ein. Auch Patty Schnyder sagte ihr Match wegen eines eingeklemmten Nervs ab, Anastasia Myskina steht damit im Viertelfinale.

Clijsters und Schnyder sind nicht die einzigen Spielerinnen, die sich mit Verletzungen in Berlin herumschlagen. Unter den topgesetzten Spielerinnen war das zuletzt die Regel: Amelie Mauresmo (gezerrter Rückenmuskel), Anastasia Myskina (Fußverletzung) und Jennifer Capriati (Rückenprobleme) haben gerade erst eine Verletzung überwunden. Im März in Miami fehlten sogar fünf Spielerinnen aus den besten Zehn. Ist die WTA-Tour zu anstrengend geworden?

„Das Problem ist, dass die Topspielerinnen zu wenig Pausen haben“, sagt Eberhard Wensky, Turnierdirektor der German Open. Lediglich zwischen Mitte November und Mitte Dezember gönnt der dicht gedrängte Turnierplan allen Spielerinnen etwas Ruhe. Danach beginnt bereits wieder die Vorbereitung auf die neue Saison. Die Spielerinnen aus den Top Ten werden besonders belastet, da sie am längsten in den Turnieren bleiben. Zudem fällt es den topgesetzten Spielerinnen schwer, ein Turnier auszulassen. „Die brauchen die Punkte für ihre Platzierung in der Weltrangliste“, sagt Wensky.

Kim Clijsters sieht das anders. „Der Ranglistenplatz ist lediglich eine Zahl.“ Jede Spielerin könne ihren eigenen Spielplan machen. „Es ist nicht so, dass man ständig spielen muss“, sagt die 20-Jährige. „Man kann so planen, dass man auch noch Ruhepausen hat.“ Wie aber kommen dann ihre Verletzungen zu Stande? „Manchmal ist es einfach Pech.“

Die Spielerinnen sind größeren körperlichen Belastungen ausgesetzt als früher. „Dabei spielt das Material eine Rolle, die Schläger sind härter geworden“, sagt Wensky. Früher hätten es Spielerinnen wie Chris Evert oder Martina Navratilova in den ersten Runden eines Turnieres leichter gehabt, heute ist die Leistungsdichte unter den ersten 50 der Weltrangliste gleichmäßiger geworden. Die Spielerinnen hören dadurch früher auf. Steffi Graf beendete ihre Karriere mit 30, Martina Hingis musste verletzungsbedingt sogar mit 22 Jahren aufhören. Wer über 30 Jahre alt ist, zählt im Frauentennis zu den alten Damen. Im Einzel in Berlin waren das von 56 Spielerinnen im Hauptfeld lediglich die Australierin Nicole Pratt (31) und die Französin Sandrine Testud (32).

Venus Williams setzte im Jahr 2003 sogar seit Wimbledon aus. Eine schmerzhafte Bauchmuskelzerrung verhinderte jeden Einsatz. Seit den Australian Open spielt sie wieder, und es klingt bei all den angeschlagenen Spielerinnen in Berlin überraschend, wie sie ihren Zustand beschrieb. Venus Williams sagte: „Ich bin hundertprozentig fit.“

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