Sport : Ohne Spaß am Risiko

Die Volleyballer des SCC siegen gegen Wuppertal 3:0 und wollen auswärts den Titel sichern

Karsten Doneck

Berlin. Alles lief wie geschmiert. 8:1 nach drei Minuten, wenig später schon 13:3 – der SC Charlottenburg betrieb im ersten von maximal fünf Endspielen um die deutsche Meisterschaft mit seinem Widersacher eine Art Katz-und-Maus-Spiel. Doch dann urplötzlich herrschte in der Sömmeringhalle eine beunruhigende Stille unter den 1200 Zuschauern. Der Grund: Eugen Bakumovski, Außenangreifer beim SCC, hatte sich bei einem Duell am Netz verletzt. „Wahrscheinlich ein Bänderriss im Knöchel“, diagnostizierte Physiotherapeut Somnath Chakrobarty. Später war nur noch von einer schweren Dehnung die Rede. Die Ungewissheit um die Schwere der Verletzung von Bakumovski raubte den Charlottenburgern kurzzeitig die Souveränität, nicht aber den Ehrgeiz, sich den Titel des Deutschen Meisters zu holen. Auch ohne Bakumovski setzte sich das Team von Trainer Mirko Culic gegen Bayer Wuppertal souverän 3:0 (25:15, 25:17, 25:13) durch.

In der Best-of-five-Serie genießen die Wuppertaler nun zweimal Heimrecht, am Ostersonnabend und Ostersonntag. Nach der gestrigen schwachen Vorstellung des Überraschungsfinalisten – die Mannschaft von Trainer Michael Mücke war nach der Normalrunde nur Bundesliga-Fünfter – scheint nicht einmal ausgeschlossen zu sein, dass die Berliner schon am Sonntag als Meister aus Wuppertal zurückkehren. „Ich hätte nichts dagegen“, sagte SCC-Angreifer Marko Liefke, wie so oft der überragende Mann bei den Gastgebern. Warum Liefke nicht im vierten Spiel vor eigener Kulisse die Meisterschaft feiern will? „Auf das Risiko kann ich auch gut verzichten. Das muss nicht sein. Nachher geht da dann doch noch etwas schief, also nee, lieber nicht“, gab Liefke zu bedenken. „Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir es jetzt nicht schaffen“, sagte SCC-Manager Kaweh Niroomand.

Für Verdruss sorgte beim Sieger nur Bakumovskis Verletzung. Weil an dem Unfall unter dem Netz der Wuppertaler Lars Dinglinger nicht ganz unbeteiligt war. „Der ist doch ganz klar übergetreten, schon vorher mal – und dann passiert das“, grollte SCC-Betreuer Günter Trotz.

Der Gastgeber wirkte nach dieser Verletzung zunächst stark verunsichert, aus einem 13:3 wurde ein 13:8. „Alle haben sich erschrocken, da kam der einzige kleine Bruch in unser Spiel rein“, sagte Niroomand. Doch auch der Manager lobte: „Unsere Defensive war so gut wie noch nie.“

Nach dem kurzen Aufatmen der Wuppertaler sammelte sich der SCC schnell wieder, kämpfte – auch für Eugen Bakumovski, der mit einem dicken weißen Verband um den rechten Fuß das Spiel als Zuschauer weiter verfolgte und zwischendurch humpelnd schon wieder ein paar Gehversuche machte.

Im zweiten Durchgang brachten vier Asse (Liefke, Urnaut) und das druckvollere Angriffsspiel einen 7:1-Vorsprung. Hinzu kam eine solide Blockabwehr , die auch im dritten Durchgang sicher war. Selbst 14 Aufgabefehler des SCC rächten sich nicht.

Der Gegner hatte es den Charlottenburgern in den nur 62 Spielminuten insgesamt einfach gemacht. „Das war nicht viel von uns, der Akku war leer“, entschuldigte Bayer-Trainer Michael Mücke die matte Vorstellung seiner Spieler. Wird die Wuppertaler Mannschaft denn am Ostersonnabend wieder in besserem Zustand sein? Mücke verzog bei dieser Frage qequält das Gesicht. „Das wird schwer“, sagte er, „zumal wir jetzt wieder sieben Stunden mit dem Bus zurückfahren müssen.“

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