Sport : Ohne Start und Ziel

Im Mai soll die 58. Friedensfahrt stattfinden – aber es gibt weder Strecke noch Etappenorte

Mathias Klappenbach

Berlin - Im offiziellen Rennkalender steht sie noch. Noch, denn auch vier Monate, bevor die Friedensfahrt zum 58. Mal stattfinden soll, gibt es noch nicht einmal eine verbindliche Streckenführung für die einwöchige Rad-Rundfahrt. Nach dem geplanten Start am 7. Mai in Polen und einigen Etappen in der Tschechischen Republik hatten die Veranstalter vorgesehen, dass die letzten drei Etappen in Deutschland stattfinden. Allerdings fehlt es an Städten oder Gemeinden, die beim ehemals wichtigsten Amateurrennen der Welt als Etappenort dabei sein wollen. Zudem fehlen auch in diesem Jahr Sponsoren, große und kleine. „Es sieht dünn aus“, sagt Pressesprecher Maik Märtin. Einer der Gründe, warum das Interesse an der Friedensfahrt in diesem Jahr noch geringer ist als in den vergangenen, liegt darin, dass in Deutschland zu dieser Zeit auch die Rheinland- Pfalz-Rundfahrt und die Thüringen- Rundfahrt der U 23 stattfinden. Selbst diese Rennen sind für Sponsoren interessanter.

Die Bedeutung der Friedensfahrt sinkt seit Jahren. Bis zur deutschen Wiedervereinigung ein Prestigeobjekt der DDR-Regierung, hatte die Veranstaltung in den Jahren nach der Wende zunächst keine finanzielle und organisatorische Basis. Seit 1993 wird das Rennen von einem tschechischen Veranstalter organisiert, drei Jahre später gingen erstmals Profis bei der Friedensfahrt an den Start. Das Rennen erlebte eine Renaissance und bekam große Aufmerksamkeit.

Sogar der Sieger der Tour de France, Bjarne Riis, ging an den Start, Steffen Wesemann gewann die Friedensfahrt viermal für das Team Telekom. Allerdings hielt die neue Aufmerksamkeit nicht lange an. Im vergangenen Jahr hatten die Veranstalter bereits große Schwierigkeiten, Sponsoren und Etappenorte zu finden. Zudem reduzierte der Medienpartner Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) sein Engagement auf ein Minimum und zeigte nur noch Ausschnitte statt Live-Übertragungen.

Dabei sollte die Erweiterung der Europäischen Union um Polen und die Tschechische Republik eigentlich helfen, dass die nach wie vor unter dem Zeichen der Friedenstaube stehende Rundfahrt mit der EU mitwächst. Der Start fand symbolträchtig in Brüssel statt, und das T-Mobile Team schickte Erik Zabel als prominenten Sympathieträger. Doch in diesem Mai steht die Friedensfahrt nicht auf dem Programm des größten deutschen Rennstalls. Gleiches gilt für das Team Gerolsteiner, das auch im vergangenen Jahr schon nicht am Start war.

Die großen Rennställe müssen in dieser Saison an allen 27 Rennen der neu eingeführten Pro Tour teilnehmen, die den Weltcup und die bisherige Weltrangliste ersetzt. Dafür haben sie ihre Mannschaften sogar vergrößert. Die Starts bei Rennen, die nicht zur Pro Tour gehören, picken die Teams aber sehr genau aus dem Rennkalender heraus, es muss schon ein besonderes Interesse wie etwa die lokale Verbundenheit eines Sponsors mit dem Veranstaltungsort bestehen. Für viele Rennveranstaltungen, die den Sprung in die neue Weltliga des Radsports nicht geschafft haben, wird es schwierig, unterhalb der Pro Tour zu überleben. Das gilt besonders für die Friedensfahrt. Sie ist eine länderübergreifende Traditionsfahrt, die nach ihrer politischen Berechtigung zu DDR-Zeiten im neuen Europa keine neue Rolle gefunden hat. Als ein Rennen unter vielen ist es den Organisatoren um den Tschechen Pavel Dolezel, der früher selbst mitfuhr und dann die Rechte an der Veranstaltung kaufte, nicht gelungen, die Friedensfahrt wieder zu etwas Besonderem zu machen oder sie wirtschaftlich als ein großes Rennen zu etablieren.

Hein Verbruggen, der Präsident des Weltverbandes Uci, machte den Organisatoren im vergangenen Jahr noch große Hoffnungen. „Für das Jahr 2005 hat es die Friedensfahrt nicht in die Pro Tour geschafft. Aber vielleicht gehört sie ja 2006 dazu“, sagte Verbruggen. Falls es sie dann noch gibt.

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