Sport : Ohne Trainer durch die Bundesliga Warum der Berliner HC Frank Hänel entließ

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Wozu braucht eine Mannschaft eigentlich einen Trainer? Die Bundesligamannschaft des Berliner Hockey-Clubs (BHC) braucht wohl gar keinen. Ihr temperamentvoller Coach Frank Hänel war nach der Heimniederlage am vergangen Samstag gegen Neuss ausgerastet und hatte seine Spieler beschimpft. Für das Spiel am Tag darauf gegen Mönchengladbach meldete er sich krank, im Laufe dieser Woche wurde er entlassen. Gegen Gladbach coachte sich das Team dann erstmals selbst – und gewann 2:1. Eine Woche später verloren die trainerlosen Berliner zwar 6:8 beim Crefelder HTC, aber an Niederlagen hat sich der BHC in dieser Feldsaison unter dem ehemaligen Trainer Frank Hänel bereits gewöhnen müssen: Nur vier Punkte aus acht Spielen holte die Mannschaft unter Hänel.

„Wir lassen uns Zeit bei der Suche eines neuen Trainers“, sagt Teammanager Horst Buhr. „Die Hallensaison ist für uns nicht so wichtig, der Klassenerhalt auf dem Feld hat Priorität.“ Der BHC will sich Notfalls bis zum April nächsten Jahres mit der Trainersuche Zeit lassen, dann geht die durch eine Meisterschaft in der Halle unterbrochene Feldsaison weiter. Bis ein neuer Coach gefunden ist, soll Mannschaftskapitän Kai Dechsling als Spielertrainer fungieren. „Einen guten Trainer nach Berlin zu locken ist schwierig, unsere finanziellen Mittel sind im Vergleich zu anderen Bundesligisten sehr begrenzt“, sagt Buhr. Ein Trainerjob beim BHC ist nicht sonderlich attraktiv: Der Erfolgsdruck der Vereinsführung ist sehr hoch, obwohl das Geld knapp ist. Und alle Spieler reine Amateure sind.

Auch daran scheiterte der in der Hockeyszene als guter Trainer bekannte Frank Hänel. „Ich war der einzige Profi in dieser Mannschaft“, sagt er. „Vielleicht habe ich das manchmal unterschätzt und zu viel von den Jungs erwartet.“ Ein Jahr arbeitete Hänel beim BHC, unter ihm schaffte die Mannschaft den Aufstieg in die Erste Bundesliga. Und trotzdem war die Verständigung zwischen dem Team und dem autoritären Hänel stets problematisch. Immer wieder wurde der Coach ausfällig und schuf so eine Distanz zwischen sich und der Mannschaft. „Ein paar Mal bin ich zu sehr ausgerastet, das waren meine Fehler, dafür entschuldige ich mich bei der Mannschaft“, sagt Hänel. „Der Graben zwischen uns ist zu groß geworden, deshalb musste ich aufhören, aber das geht auf meine Kappe.“

Hänel merkte schon vor Monaten, dass die Kommunikation mit der Mannschaft schlecht war. Deshalb forderte er einen erfahrenen Betreuer, der ihm dabei helfen sollte, an das Team heranzukommen. Das konnte sich der BHC nicht leisten. Die Stimmung in der Mannschaft sei nach dem Abgang des Trainers „schon ein bisschen gelöst“, sagt Nationalspieler Tibor Weißenborn. „Jetzt müssen die Führungsspieler unter besonderen Bedingungen ihre Leistung bringen“, sagt Weißenborn. Die Mannschaft hat ja gezeigt, dass sie auch ohne Trainer gewinnen kann.

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