Sport : Ohne Worte

Michael Ballack schießt abermals gegen den DFB zurück und erklärt, er habe selbst zurücktreten wollen

Roland Zorn[Leverkusen]
Willkommen im neuen Leben. Der einstige Nationalelf-Kapitän Michael Ballack trainiert erstmals seit 1999 wieder als ganz gewöhnlicher Klubspieler. Foto: dapd
Willkommen im neuen Leben. Der einstige Nationalelf-Kapitän Michael Ballack trainiert erstmals seit 1999 wieder als ganz...Foto: dapd

Von Michael Ballack gab es auch beim Trainingsauftakt nichts zu hören, sondern zu lesen. „Wenn der Bundestrainer Wolfgang Niersbach erzählt haben sollte, er habe bei unserem Gespräch am 30. März zu mir gesagt: ,Micha, das war’s für dich und lass das jetzt mal sacken’ oder ,Ich plane nicht mehr mit dir’, dann ist das schlichtweg nicht wahr. Das genaue Gegenteil war der Fall“, ließ Ballack in einer Presseerklärung ausrichten. Damit reagierte er auf Aussagen des DFB-Generalsekretärs, der Bundestrainer habe bereits an besagtem 30. März Ballack dessen Ende in der Nationalelf mitgeteilt.

Ballack behauptet nun gar, in jenem Gespräch von Löw zum Weitermachen animiert worden zu sein. „Er hat mich motiviert und aufgefordert, nicht hinzuschmeißen“, sagte Ballack. Eine Kehrtwende soll es dann im Mai gegeben haben, zumindest bei Ballack selbst. „Da reifte bei mir endgültig der Entschluss, zurückzutreten. Wir vereinbarten, dass ich in der Sommerpause meinen Rücktritt selbst bekanntgeben dürfe.“

Statt einer Vermeldung des Rücktritts kam aber dann eine Pressemitteilung des DFB, in der Löw bekannt gab, nicht mehr mit Ballack zu planen. Deutlich gab DFB-Generalsekretär Niersbach dann zu verstehen, dass Ballack die Vorkommnisse dieser Woche hätte verhindern können, wenn er, wie ihm angeboten, von sich aus seinen Rücktritt erklärt hätte. Ballack sei jedoch „trotz aller Bemühungen für uns nicht mehr erreichbar“ gewesen. Ballacks aktueller Konter: „Ein genaues Datum, geschweige denn eine Frist, stand dabei nie zur Debatte.“

Weiter hieß es in der Erklärung: „Drei Tage vor meinem Urlaubsende, wissend, dass ich danach wieder uneingeschränkt erreichbar bin und man genügend Zeit hat, bis die Saison wieder beginnt, hat man konträr zu unserer Absprache diese Pressemitteilung verfasst.“

Bayers Sportdirektor Rudi Völler fasste die ganze Angelegenheit so zusammen: „Ob Niersbach, Löw oder Ballack: Die letzten zwei, drei Tage hätten wir uns wirklich ersparen können. Alle Beteiligten haben sich nicht mit Ruhm bekleckert.“

Für 15 Uhr am Sonntagnachmittag war der erste öffentliche Auftritt des Michael Ballack nach der Sommerpause angekündigt. Doch der deutsche Fußballstar war wie seine Kollegen von Bayer 04 Leverkusen noch in den Katakomben, wo sich der vom SC Freiburg gekommene neue Trainer Robin Dutt seinen Spielern erst einmal vorstellte. Um 15.20 Uhr kam Ballack – und erhielt Szenenapplaus der 450 Zuschauer. Einer davon rief dem nach einem Sardinien-Urlaub braun gebrannten Ballack nach: „Da kommt der Jogi.“ Der zum „Jogi“ ernannte Michael hob kurz den Arm. Dies aber war keine gute Woche für ihn, und auch keine gute Woche für alle, die den finalen Gang der Dinge bei dieser Geschichte über Aufstieg und Fall des Michael Ballack mitgeprägt haben.

Rudi Völler, unter dessen Anleitung als Teamchef der Nationalelf Ballack vor knapp zehn Jahren aufgeblüht war, ist auch heute wieder ein fürsorglicher Vorgesetzter des Führungsspielers. Er sagt über ihn, „dass er manchmal sehr stur sein kann“. Sturheit aber ist Völlers Sache nicht, Ballacks Aussagen verstimmten den Leverkusener Sportdirektor.

Ballack hatte am Freitag die Verbandsofferte kurzerhand zu einer „Farce“ erklärt. Starke Worte, die Völler ebenso wenig gefielen wie Löws monatelanges Taktieren und sein bürokratisch vollzogener Schlussstrich. „Die Art und Weise hätte etwas anders sein können“, sagte Völler. „Das Kind“, stellte er angesichts des Kommunikationsdesasters im Fall Ballack kurz und bündig fest, „ist in den Brunnen gefallen. Jetzt haben alle verloren. Wir müssen das abhaken und uns dem Alltag hier in Leverkusen zuwenden.“

Völler wäre für solche außergewöhnlichen Streitfälle eigentlich der ideale Schlichter. „Vielleicht bin ich ein zu großer Romantiker, aber ich habe immer noch die kleine Hoffnung, dass es einen versöhnlichen Abschluss gibt“. Ballack habe viel für Deutschland geleistet, betonte Völler. „Er kann nicht einfach so von der internationalen Bildfläche verschwinden.“

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