Sport : Olympia ohne Männer

Vier Frauen bilden wohl die deutsche Dressur-Equipe

Andreas Morbach

Aachen - Martin Richenhagen hat ein sonniges Gemüt. Der Chef der deutschen Dressurreiter kann keinen Satz beenden, ohne vorher einen Scherz oder alternativ eine Werbebotschaft darin eingebaut zu haben. Also sagt Richenhagen Sachen wie: „Die Auswahl unserer Olympiafahrer wird ein einfacher Job – zumindest für mich.“ Dazu betont er ausdrücklich, wie großartig das Betriebsklima bei Deutschlands Dressurreitern derzeit ist.

Deren „super Teamgeist“ muss unbedingt erwähnt werden, Richenhagen beteuert zur Sicherheit noch: „Das ist nicht so, wie es immer in der Gerüchteküche brodelt.“ Neid, Missgunst und internes Gezänk waren in der Vergangenheit schließlich oft treue Begleiter dieser von Frauen dominierten Sportart. An der Spitze der Equipe steht allerdings ein Mann – und der freut sich ganz besonders über einen zweiten Mann an seiner Seite: Über Matthias-Alexander Rath, den Senkrechtstarter der Branche, der sein Olympiaticket mit einem unerwartet holprigen Auftritt am Mittwoch beim CHIO in Aachen, dem Weltfest des Pferdesports, jedoch fast schon verspielt hat.

„Ich fand es gut, dass wir Rath dabei haben“, sagte Richenhagen leicht verräterisch bereits in einer halben Vergangenheitsform. Und auch der 23-jährige BWL-Student Rath gibt sich für die Nominierung der drei Olympiafahrer (plus ein Ersatzmann) am Samstagabend oder Sonntagvormittag keinen Illusionen hin: „Ich gehe nicht davon aus, dass ich hier noch groß im Gespräch bin. Das geht wohl eher in Richtung fünfter Platz“, sagt Rath. An den Dressur-Größen Isabell Werth (38), Nadine Capellmann (42) und Heike Kemmer (46) wird für ihn wohl kein Weg vorbeiführen, die 45-jährige Monica Theodorescu wird voraussichtlich die vierte Reiterin im Olympiateam werden.

Doch Rath hat die Fassung schnell wiedergefunden, dabei half ihm schon ein kurzer Blick auf die Geburtsdaten der Teamkolleginnen. „Die anderen sind ja alle schon über 40, bis dahin habe ich noch 20 Jahre Zeit“, sagt Rath. „Wir haben in diesem Jahr schon viel mehr erreicht, als wir erreichen wollten.“

Beim heutigen Spezial will Rath trotzdem um seine letzte Olympia-Chance kämpfen, während sich seine Teamkolleginnen bereits auf die olympischen Reitwettkämpfe, die in Hongkong ausgetragen werden, einstimmen. Dabei sprechen die vier Frauen mit einer Stimme. „Wir fahren nach Hongkong, um Sport zu treiben, nicht um uns an politischen oder weltverbesserischen Diskussionen zu beteiligen“, formuliert Olympiasiegerin Isabell Werth die Haltung des Teams. Deutlich mehr Sorgen macht den Reiterinnen das feucht-heiße Klima in Hongkong. „Ich glaube, dass sich die Pferde besser darauf einstellen als die Menschen“, sagt Isabell Werth.Andreas Morbach

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