Olympia-Premiere : BMX-Biker: Fahren, bis der Arzt kommt

Die BMX-Fahrer feiern ihre Premiere bei Olympia. Ganz ungefährlich ist ihr Sport nicht - vor allem dann, wenn das Wetter nicht mitspielt. Berlin soll bald ein BMX-Zentrum werden.

Katja Reimann
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Drunter und drüber. BMX ist jetzt olympisch.Foto: AFP

Gefährlich ist vor allem der Wind. Wenn der zu stark ist und der Sprung sehr hoch, dann trägt er die Fahrer auf ihren kleinen, leichten BMX-Rädern schnell ein paar Meter zur Seite, vermasselt eine gute Landung und ruiniert womöglich das ganze Rennen. In Peking, wo das Wetter in den letzten Tagen nicht immer wettkampffreundlich war, kann es schon mal windig sein. „Und“, sagt Berend Meyer vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR), „die Bahn dort ist nicht ohne“. Die Strecke, aufgeschüttet mit rotem Sand, sei schnell, die Hindernisse steil. Die olympische Premiere für BMX-Fahrer wird also keine leichte.

Mittwoch und Donnerstag fahren sie um Medaillen. Damit Platz für sie ist, wurden extra zwei konventionelle Radwettbewerbe aus dem Programm gestrichen. BMX (Bicycle Moto-Cross) wurde in den 60ern in Kalifornien erfunden und spätestens seit dem Science-Fiction-Film „E. T.“ aus den 80ern, in dem der drollige Außerirdische in einem Fahrradkorb am Lenker eines solchen Rads vor Bösewichten in Sicherheit gebracht wird, weiß jeder, worum es dabei geht: möglichst schnell über sandige Hügel rasen.

Nicht immer ist ein Sprung schneller

Bis zu 50 Stundenkilometer schnell können die Profis auf der rund 350 Meter langen olympischen Strecke werden, gestartet wird von einem acht Meter hohen Hügel – das bringt ersten Schwung. Es gibt Wellenteppiche und so genannte Doubles – zwei Hügel hintereinander – oder einen Table, der bis zu zwei Meter hoch und fast vier Meter breit sein kann und übersprungen werden muss. Manchmal müssen die Fahrer schnell entscheiden: Lieber springen? Oder doch besser drücken? So nennt man das einfache Überfahren eines Hindernisses, ohne dass die Räder vom Boden abheben. Nicht immer ist ein Sprung schneller. Denn: Wer wenigstens das Hinterrad am Boden hält, kann Tempo machen, wer durch die Luft fliegt, der kann das nicht.

„Ein BMX-Rennen ist vergleichbar mit einem Mittelstreckensprint“, sagt Berend Meyer vom BDR. Die Fahrer brauchen viel Kondition und Kraft. „Es ist ein Hochleistungssport.“ Ein nicht ungefährlicher. Von 1900 Teilnehmern der letzten Europameisterschaft mussten 52 nach dem Rennen zum Arzt, erinnert er sich. Es gab Schlüsselbeinbrüche, ausgekugelte Schultern und Gehirnerschütterungen. Auch ein Milzriss ist ab und zu dabei – dazu kommt es, wenn sich der Lenker beim Sturz verdreht und in die Magengegend bohrt.

Deutsche Crossfahrer sucht man bei Olympia noch vergeblich, die Favoriten kommen aus den USA, Frankreich oder den Niederlanden, wo BMX-Fahren Schulsport ist. Immerhin: Sieben jugendliche Hoffnungsträger fahren zurzeit im deutschen Kader. In London, 2012, sollen sie dabei sein.

Berliner planen Großes - aus bescheidenen Anfängen

„An Schulen ein festes BMX-Training anbieten" - davon träumt der Berliner Rüdiger George. Zum BMX kam der 49-Jährige über seinen Sohn Lennart (13). Im TSV Berlin-Wittenau kümmert er sich um die Abteilung BMX. Und er versucht, den Bau einer richtigen Crossbahn in Berlin-Buch voranzutreiben.

„Die soll so groß werden, dass man darauf sogar Bundesligarennen veranstalten könnte", sagt George. Sein Ziel ist, die ersten Rennen schon im kommenden Jahr auszurichten. Unterstützung vom Bezirksamt Pankow bekommt der TSV Berlin-Wittenau bereits, trotzdem fehlen noch Helfer und vor allem Material. Denn auch wenn die Eltern der BMX-Vereinsfahrer fleißig mit anpacken – viele sind es nicht. Nur fünf Jugendliche sind momentan in der Abteilung BMX aktiv.

Ein Großteil der deutschen BMX-Race-Szene kommt aus dem Süden des Landes, aus Bayern und Baden-Württemberg. Das will George mit dem TSV Berlin-Wittenau nun ändern. Inzwischen besitzt die BMX-Abteilung des Vereins schon vier Räder, die an Interessierte verliehen werden können. Denn wer ein solch robustes Rennrad kaufen möchte, muss gleich ein paar hundert Euro zahlen. Dazu kommen Kosten für einen Integralhelm und für Schutzkleidung. Zum Beispiel Protektoren für Brust und Rücken. „Die braucht man, damit sich bei einem Sturz der Lenker nicht in die Brust bohren kann", erklärt Rüdiger George.

Weil beim BMX-Crossfahren auch ohne große Wettkampf schnell mal kleine Unfälle passieren können, hält er eine ordentlich gewartete und beaufsichtigte Bahn in Berlin für besonders wichtig. Zwar hätten sich Jugendliche Fahrer schon Strecken auf wildem Gelände gebaut, doch sei da eben kein Aufpasser dabei. Das soll bei der geplanten Bahn in Buch anders sein. Dann klappt vielleicht bald, was George sich vorgenommen hat: dass Berliner Jugendliche erfolgreich BMX-Rennen fahren.

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