Olympialotterie : Der Sport geht über Los - Glücksspirale wird 40

Ein Groschen sollte für Olympia reichen, wenn alle für 10 Pfennig mehr Lotto spielen, müssten sich doch die Olympischen Spiele finanzieren lassen. So hatte es sich Willi Daume ausgedacht vor den Sommerspielen 1972 in München, er war damals Präsident des Nationalen Olympischen Komitees.

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Staunen und spielen. Der Ex-Sporthilfe-Chef Josef Neckermann, Schauspieler Walter Giller und Lothar Lammers von der Lotto-Gesellschaft (von links) stellten in den Siebzigerjahren die Glücksspirale vor.
Staunen und spielen. Der Ex-Sporthilfe-Chef Josef Neckermann, Schauspieler Walter Giller und Lothar Lammers von der...Foto: dpa

BerlinDoch die Millionen kamen nicht zusammen, im Nachhinein, ein Glücksfall, denn so wurde 1970 eine eigene Olympia-Lotterie gegründet, die bis heute läuft, die Glücksspirale, sie feiert jetzt ihren Vierzigsten.Glücksspiel und Sport schienen zuletzt nicht mehr gut zueinander zu passen, denn mit den Sportwetten kamen Bestechung und Manipulation. Da versucht die Glücksspirale gegenzuhalten, als gute Seite des Glücksspiels für den Sport. Seit ihrer Gründung sind jedenfalls schon 610 Millionen Euro in den Sport geflossen und negative Auswirkungen auf sportliche Ereignisse sind nicht bekannt.

Für die Spiele 1972 in München hatten die Lotterien 250 Millionen Mark eingespielt, und nach Olympia förderte die Glücksspirale gleich das nächste Großereignis. Für den Ausbau der Stadien für die Fußball-WM überwies sie 1973 und 1974 zusammen 40 Millionen Mark. Derzeit sind es 16 Millionen Euro, die dem Sport zugute kommen und dabei sowohl Spitzenathleten und Sportanlagen als auch Vereinsprojekten, die sich etwa der Integration von Migranten oder Behinderten widmen. Neben dem Sport schüttet die Glücksspirale auch Geld an den Denkmalschutz und die Wohlfahrtspflege aus.

Der Sport hatte zwischenzeitlich Sorge, dass sich die Glücksspirale weiter erfolgreich dreht. Der Deutsche Olympische Sportbund erhöhte deshalb 2008 seine Mitgliedsbeiträge und die Stiftung Deutsche Sporthilfe sah sich ebenfalls nach neuen Einnahmequellen um. Ein Viertel des Etats der Sporthilfe kommt von der Glücksspirale. Der viermalige Bob-Olympiasieger André Lange schätzt, dass er in seiner Karriere schon eine sechsstellige Summe an Fördergeld bekommen hat, indirekt über die Sporthilfe auch aus der Glücksspirale. „Ich kann Glücksspiel nur empfehlen“, sagte er bei einer Geburtstagspressekonferenz der Glücksspirale in Berlin und zog seine Goldmedaille von Vancouver hervor.

Um die Förderung seiner Nachfolger durch die Glücksspirale muss sich Lange erstmal keine Sorgen machen. Die Erlöse sind zuletzt deutlich gestiegen. „Die Zahl der Loskäufer wächst“, sagte Wolfgang Angenendt, der im Deutschen Lottoblock für die Glücksspirale zuständig ist. Und wenn München den Zuschlag für die Winterspiele 2018 erhält, bekäme die Lotterie vielleicht eine neue, altbekannte Aufgabe.

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