Olympische Momente : Als Werbung Schranz den Start kostete

Karl Schranz aus Österreich war einer der besten Skiläufer der Sechziger. Auf eine olympische Goldmedaille hoffte er allerdings vergebens - aus den unterschiedlichsten Gründen.

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Karl Schranz wird 60 Jahre alt
Seiner Zeit voraus. Karl Schranz sah ich selbst als einen "Wegbereiter der modernen Olympischen Spiele". -Foto: dpa

Eine Karriere wie seine muss doch einfach mit einer olympischen Goldmedaille gekrönt werden. Karl Schranz aus Österreich war einer der besten Skiläufer der Sechziger – und frühen Siebzigerjahre, dreimaliger Weltmeister, zweimaliger Gesamtweltcupsieger. Doch 1960 war Schranz noch zu jung für den Olympiasieg, 1964 schwächte ihn eine Grippe, er gewann immerhin Silber im Riesenslalom, 1968 wurde er im Slalom disqualifiziert, obwohl ihm schon die Goldmedaille um den Hals baumelte – dann eben 1972!

Er hatte das Training am Olympiaort Sapporo bereits aufgenommen, da traf das Internationale Olympische Komitee mit 28 zu 14 Stimmen einen Beschluss: Schranz darf nicht starten – Verstoß gegen den Amateurparagraphen. Schranz, damals 33 Jahre alt, soll Werbung für eine österreichische Skifirma und eine Schweizer Skischuhfabrik gemacht haben und dabei in einem Prospekt und einem Film aufgetaucht sein. Angeblich waren noch 40 andere Sportler mit Werbung aufgefallen, aber es traf nur Schranz.

Dahinter steckte auch ein Machtkampf zwischen dem von Österreich beeinflussten Internationalen Skiverband und dem Internationalen Olympischen Komitee mit seinem amerikanischen Präsidenten Avery Brundage. Schranz sagte damals: "Wir haben nur einen Fehler gemacht. Wir haben den millionenschweren Greis aus Chicago und seinen Geheimdienst unterschätzt. Ich nehme zur Kenntnis, dass ich für alle büßen muss. Für alle. Darunter verstehe ich meine Freunde, die nicht mehr oder weniger taten als ich, die aber nicht so populär waren wie ich."

Entschädigt wurde Schranz in Wien, wo ihn erst Tausende am Flughafen und nach einem Empfang durch Bundeskanzler Kreisky Zehntausende am Ballhausplatz feierten. Weil er der erste war, der wegen Werbung ausgeschlossen wurde und der Amateurparagraph 1981 fiel, hat sich Schranz später ganz unbescheiden "Wegbereiter der modernen Olympischen Spiele" genannt.

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