• Olympische Winterspiele: Nach Olympia-Ausbootung: Steuer prüft juristische Schritte

Olympische Winterspiele : Nach Olympia-Ausbootung: Steuer prüft juristische Schritte

Eine handfeste Klage-Drohung, ein freiwilliger Rückzug und der unbekannte "dritte Mann". Ingo Steuer (Bild) schaltete sogleich seinen Anwalt ein.

Hamburg - Nach der umfangreichsten Stasi-Überprüfung eines deutschen Olympia-Teams seit der Wende hat das NOK kurz vor Beginn der Winterspiele in Turin (10. bis 26. Februar) drei heiße Fälle auf dem Tisch. Eiskunstlauf-Trainer Ingo Steuer prüft rechtliche Schritte gegen seine Ausbootung, Skisprung- Co-Trainer Henry Glaß räumte das Feld freiwillig, über den dritten Fall wurde in den Medien bislang nur spekuliert. Nach dpa- Informationen handelt es sich wie bei Glaß um ein Teammitglied aus dem Deutschen Ski-Verband (DSV).

«Wir bleiben dabei, dass wir weder Namen nennen noch bestätigen. Es ist nicht die Aufgabe des NOK, einzelne Personen zu outen», sagte Michael Schirp, der Pressesprecher des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) der dpa am Donnerstag und nannte als Grund dafür den «Persönlichkeitsschutz». Für das NOK sei es wichtig, das Verfahren «sauber durchzuführen». Erst kurz vor den Winterspielen, Anfang Februar, werde der olympische Dachverband die Namen preisgeben. Die betreffenden Verbände seien am Mittwoch - zwischen der NOK- Präsidiumssitzung und der Pressekonferenz - informiert worden.

Ex-Weltmeister Steuer, der als Trainer im Sold der Bundeswehr steht, will rechtliche Schritte gegen seinen Ausschluss prüfen. «Das ist Rufmord, ich habe schon meinen Anwalt eingeschaltet», sagte der frühere Paarläufer am Donnerstag der dpa. Über eine Einstweilige Verfügung eines Gerichtes könnte sich der 39-Jährige noch nach Turin klagen. «Das warten wir erstmal ab, und wir geben auch keine Bewertungen dazu ab», meinte Schirp zur Ankündigung Steuers. Auch bei der Bundeswehr hielt man sich zurück. «Das ist eine Personalangelegenheit, und deshalb äußern wir uns dazu nicht», teilte ein Sprecher des Presse- und Informationsstabes mit.

Steuer war 1998 mit Olympia-Bronze in Nagano von der Eislaufbühne als Aktiver abgetreten. Er trainiert derzeit die Europameisterschafts-Zweiten Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy in Chemnitz. Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) erhielt am Vormittag die offizielle Bestätigung des NOK, dass Steuer Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des Staatssicherheitsdienstes der DDR gewesen sein soll.

«Die Stasi-Überprüfungskommission der Birthler-Behörde hat einstimmig entschieden, worauf sich das NOK dieser Empfehlung angeschlossen hat», bestätigte DEU-Präsident Reinhard Mirmseker. Steuer war am Mittwoch zu einer mündlichen Anhörung vor der Kommission nach Berlin gereist. «Seine Akten sind belastend, Interna kenne ich nicht», sagte Mirmseker. Das Chemnitzer Paar soll bei den Winterspielen voraussichtlich von Steuers früherer Trainerin Monika Scheibe betreut werden.

Steuer ist einer von drei Trainern, die nach Überprüfung von 162 Betreuern und Offiziellen durch die Birthler-Behörde vom NOK aus dem Team gestrichen wurden oder selbst verzichtet haben. Glaß machte freiwillig einen Rückzieher. «Ich will das Unternehmen Olympia nicht gefährden und das Team nicht belasten», sagte er. Zum dritten Fall gibt es bisher nur Spekulationen. Dass es sich um Biathlon-Co-Trainer Harald Böse handeln soll, wurde vom DSV dementiert.

Der Verband drückte sein Bedauern, aber auch sein Unverständnis aus. Glaß habe bereits in Lillehammer (1994), Nagano (1998) und Salt Lake City (2002) zur deutschen Mannschaft gehört. Laut DSV- Pressesprecher Ralph Eder dürfen Sportverbände nur dann Akteneinsicht nehmen, wenn es um die Einstellung von Führungspersonal geht. Der DSV muss nun entscheiden, ob ein Ersatzmann für Glaß nominiert wird. (Von Ralf Jarkowski, dpa)

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