Sport : Opfer des Erfolgs

Mit dem Pokalspiel gegen Leverkusen beginnen für Bremen schwere Wochen

Frank Hellmann[Bremen]

Für Trainer Thomas Schaaf ist es das absolute Topspiel. Und für Sportdirektor Klaus Allofs gibt es „keine interessantere Begegnung“. Nur das Bremer Publikum hat ein anderes Empfinden. Erst 15 000 Tickets sind im Vorverkauf abgesetzt, Werders Vorstands- und Finanzchef Jürgen Born wäre froh, „wenn 20 000 kommen“. Die Zurückhaltung in Bremen hat Gründe. Im Weserstadion jagt ein Höhepunkt den anderen; schon nächsten Mittwoch etwa Champions League gegen Valencia, darauf den Samstag Heimspiel gegen den FC Bayern. „Dafür geben die Leute lieber ihr Geld aus“, sagt Born.

„Es verdichten sich die schweren Spiele“, sagt Born und ergänzt: „Weil wir in der vergangenen Saison diese Spiele gewonnen haben, haben wir erreicht, worauf dieser Verein 105 Jahre warten musste.“ Doch längst wirbt der Jazz-Musiker und Hobby-Golfer für realistische Zielsetzungen. Born: „Wir tanzen auf drei Hochzeiten. Dabei müssen wir uns mühen, eine chice Dame abzubekommen.“ Nein, die Wiederholung des Doubles sei so gut wie ausgeschlossen, „darauf wettet hier wirklich niemand“.

Zu wenig ist vom Jubel-Double-Hurrastil geblieben, zu viele Leistungsträger, zuvorderst die fünf deutschen Nationalspieler (Ernst, Baumann, Borowski, Fahrenhorst und Klose), schwanken in ihrer Form, zu stark trumpft die nationale Konkurrenz auf. Etwa Bayer Leverkusen, das am vorletzten Spieltag der Vorsaison feiertrunkene Hanseaten mit 6:2 entzauberte. „Das Spiel habe ich aus meinem Gedächtnis gestrichen“, sagt Schaaf heute. Der Trainer erwartet jenes Gesicht des wankelmütigen Bayer-Ensembles, „dass München und Madrid zu sehen bekamen“.

Beim Pokal-Verteidiger läuft es dagegen gerade in Sachen Spielfluss noch reichlich „unrund“ (Schaaf). Und bevor das Mammutprogramm in seine Hochphase tritt, zeigen sich Ermüdungserscheinungen – oder wie im Fall von Spielmacher Johan Micoud eine schmerzende Achillessehne. „Richtig gut kann ich nicht laufen“, sagt der Franzose, zuletzt auf dem Weg zurück zu alter Stärke. „Solch ein Programm habe ich meiner Karriere noch nie erlebt“, sagt der Kroate Ivan Klasnic, „wenn einer sagt, das geht nicht an die Substanz, der lügt.“ Auch Petri Pasanen hat die Erschöpfung befallen. „Ich bin müde“, sagt der Finne. Beiden, Pasanen und Klasnic, droht heute die Verbannung auf die Bank. Mehr Erholung Suchende werden dort kaum Platz finden, denn allein sieben Nationalspieler sind malade. Der türkische Auswahlspieler Ümit Davala (Schambein), der Ungar Krisztian Lisztes (Kreuzband) und der für Dänemark im EM-Einsatz befindliche Daniel Jensen (Achillessehne) fehlen seit Saisonbeginn. Ebenfalls außen ist Brasiliens Nationalspieler Gustavo Nery, der die Vorbereitung wegen der Copa America verpasste, nun wegen eines Kahnbeinbruches in der Heimat operiert wird. Auch Frank Baumann (Syndesmosesband) und Angelos Charisteas (Ohrknorpelbruch) stehen auf der Ausfallliste.

Stark genug ist Bremens Kader dennoch, „obwohl wir hier aus finanziellen Gründen nie 30 gestandene Profis beschäftigen werden“, wie Sportdirektor Allofs sagt. Im auf 43 Millionen Euro angestiegenen Etat hat Werder Bremen übrigens nur eine Runde aus dem DFB-Pokal einkalkuliert. Aus hanseatischer Vorsicht. Vorstandsboss Born: „Richtig Geld bringt der Pokal erst ab dem Halbfinale. Und es wäre vermessen, das jedes Jahr einzuplanen.“

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