Sport : Organisierter Zweifel

Die Landessportbünde gehen gegen die Fusion der Dachverbände vor – sie haben rechtliche Bedenken

Robert Ide

Berlin - Der Widerstand der Landessportbünde (LSB) gegen eine Fusion der deutschen Sportdachverbände nimmt an Intensität zu. Auf einer LSB-Konferenz am Freitag in Hannover wurden juristische Bedenken gegen die Pläne des Deutschen Sportbundes (DSB) und des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) zu ihrer Verschmelzung laut. Die Landessportbünde sind im DSB organisiert.

Ein Rechtsgutachten des Landessportbundes Berlin, das dem Tagesspiegel vorliegt, fordert vor einer Fusion die Änderung des Verbandszwecks. Das sei rechtlich nur „mit Zustimmung aller Mitglieder des Deutschen Sportbundes zulässig“. Bisher gingen DSB und NOK davon aus, dass sich beide Verbände mit Dreiviertelmehrheiten auflösen können.

„Die Fusion ist rechtlich fragwürdig“, sagte Peter Hanisch, Präsident des Berliner Landessportbundes, auf Nachfrage. „Um alle juristischen Fragen zu klären, reicht die Zeit nicht aus. Der bisherige Zeitplan ist abenteuerlich.“ DSB und NOK, die zum Nationalen Olympischen Sportbund (DOSB) fusionieren wollen, haben ihren Zusammenschluss für den 10. Dezember dieses Jahres vorgesehen. Nun aber wollen die Landessportbünde etwa von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine vorherige Befragung ihrer Mitglieder durchsetzen. „Vor Februar oder März nächsten Jahres macht die Fusion deshalb keinen Sinn“, sagte Hanisch. Eine Verschiebung will die Spitze des DSB verhindern. „Im Augenblick sehe ich den Zeitplan nicht in Gefahr“, sagte DSB-Generalsekretär Andreas Eichler nach der Konferenz. „Rechtliche Bedenken hin oder her – die Frage ist doch, ob man die Fusion möchte oder nicht.“

Die Landessportbünde machten auf der Konferenz noch einmal inhaltliche Vorbehalte geltend. Dass der neue Dachverband alle Beschlüsse des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) anerkennen soll und die Einzelverbände der olympischen Sportarten künftig in allen sportpolitischen Fragen die Mehrheit haben sollen, bezeichneten die Widerständler als „nicht akzeptabel“. Am 29. September soll es nun ein Spitzengespräch mit DSB und NOK geben. „Es könnte sein, dass die Satzung dann gekippt werden muss“, sagte Walter H. Probst, Geschäftsführer des LSB Nordrhein-Westfalen.

Der DSB, dessen Präsident Manfred von Richthofen die Fusion in seiner letzten Amtszeit forciert, versuchte die Debatte einzudämmen. „Eine Verschiebung des Zeitplans würde Konflikte nur hinauszögern, aber nicht lösen“, sagte von Richthofen.

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