Sport : Orkan in Johannesburg

Esther Kogelboom

Nicht nur in Deutschland ist es gerade ein bisschen windig. Auch in Johannesburg standen jetzt die Zeichen auf Sturm: Während eines Spiels der Premier Soccer League – Orlando Pirates gegen Black Leopards – riss eine heftige Böe mehrere Werbetafeln aus den Verankerungen. Die „Bild“-Zeitung berichtete in Deutschland gestern mit dramatischen Fotos darüber. Eine der fliegenden Banden traf den Pirates-Kapitän Lehlohonolo Seema so heftig an der Brust, dass dieser kurzzeitig das Bewusstsein verlor. Das Spiel wurde vertagt, die Zuschauer packten ihre Vuvuzela-Tröten ein und gingen nach Hause. Inzwischen geht es Seema zum Glück wieder gut.

Bereits vor dem Spiel lag einiges im Dunkeln: Der Sturm war so heftig, dass in den Kabinen die Beleuchtung ausgefallen war. Ob die Mannschaften bei Kerzenschein ihre Spieltaktik diskutiert haben, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich hatten sie keine Taktik.

Eine Szene von unglaublich symbolischer Kraft: Fußballspieler von fliegender Werbebande verletzt. Kann die Sicherheit der Spieler überhaupt gewährleistet werden, so lange im Stadion geworben wird? Muss der betreffende Sponsor dem Pirates-Kapitän eine Entschädigung zahlen? Wie entwickelte sich der Aktienkurs jenes Sponsors? Warum waren die Werbetafeln nicht richtig angebracht? Wer zieht den Platzwart zur Verantwortung? Gibt es bereits einen Nachfolger für ihn? Und natürlich die wichtigste aller Fragen: Kann das Halbfinale der WM 2010 unter diesen Voraussetzungen im Johannesburger Ellis-Park-Stadion überhaupt ausgetragen werden?

Das sind Fragen, die die südafrikanische Öffentlichkeit gar nicht interessieren. Es gibt andere Sorgen. Es weht ein anderer Wind.

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