Sport : „Ostklubs brauchen keine Hilfe“

Hansa-Legende Rainer Jarohs über den Abstieg

Rainer Jarohs

So bitter es ist: Der Abstieg von Hansa Rostock war vorhersehbar. Es wäre eine Riesenüberraschung gewesen, wenn diese Mannschaft die Klasse gehalten hätte. Das Potenzial dazu war nicht da, die Konstanz fehlte. Es ist nicht so, dass die Jungs keine Lust oder die falsche Einstellung hatten, wie ihnen häufig vorgehalten wurde. Es war schlichtweg nicht mehr drin. Wenn ich gerade mal die 10. Klasse geschafft habe, kann ich nicht problemlos an der Uni studieren.

Ist Hansa dem Untergang geweiht? Nein. Hansa oder andere Vereine aus dem Osten Deutschlands brauchen keine Unterstützung, wie sie Franz Beckenbauer mal populistisch gefordert hat. Was soll so etwas bringen? Ich finde das Klischee vom Ostverein oder „dem“ Ostfußball ganz furchtbar und nicht mehr zeitgemäß. Die Wende ist fast 20 Jahre her. Und auch Vereine im Westen haben zu kämpfen. Die Ungerechtigkeit der Liga zu beklagen, hilft nicht weiter. Vereine wie Bayern München haben eben über Jahrzehnte erfolgreiche Strukturen aufgebaut. Jeder würde es so machen wie die Bayern – wenn er könnte. Auch Hansa holt sich Spieler von anderen Vereinen, die weniger Geld oder keine Perspektive bieten.

Zweifellos war es vor einigen Jahren noch einfacher für finanzschwache Klubs wie Hansa Rostock, namenlose Spieler wie Akpoborie, Barbarez, Beinlich oder Rehmer zu holen, sie zu entwickeln und teuer zu verkaufen. Vielleicht war es auch nur Zufall. Die Zeiten sind jedenfalls vorbei, in denen man auf dem Bolzplatz ein Talent entdecken konnte, bevor größere Vereine aufmerksam wurden. Heute sind alle guten Spieler ab 12 Jahre weitläufig bekannt. Daran hat auch Rostock zu knabbern, weil man allein mit Sonnenschein und Ostseestrand niemanden hierherlotsen kann. Doch für den Verein spricht, dass er seriös geführt wird. Natürlich wird ein Marc Stein bei Hertha BSC deutlich mehr verdienen als in Rostock. Er muss sich dort aber erst durchsetzen.

Zurzeit scheint es bei Hansa für die Bundesliga nicht zu reichen. Das muss man auch mal akzeptieren. Die Zweite Liga ist doch auch nicht schlecht. Hansas Bedingungen sind im Rahmen der Möglichkeiten top. Rostock hat als erster Bundesligist ein neues Stadion gebaut. Der Verein arbeitet solide. Daran kann man anknüpfen – und auch mal einen Abstieg verschmerzen.

Der Rostocker Rainer Jarohs war bis 1990 Stürmer beim FC Hansa. Mit 76 Treffern ist er Hansas Rekord-Torschütze. 1996 wurde Jarohs Aufsichtsratsmitglied des Klubs, von 1998 bis 2005 war er Vize- Vorstandschef. Jarohs arbeitet heute als Rundfunkredakteur beim NDR. Sein Text wurde aufgezeichnet von Kerstin Hebeler.

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