Sport : Ottmar Hitzfeld im Interview: "Völler und Daum können alles meistern"

Herr Hitzfeld[die Saison hat eigentlich gut f&uum]

Ottmar Hitzfeld (51) ist der zurzeit erfolgreichste deutsche Klubtrainer. Mit Bayern München und Borussia Dortmund wurde er je zwei Mal Meister, 1997 gewann er mit Dortmund die Champions League.

Herr Hitzfeld, die Saison hat eigentlich gut für Sie begonnen.

Wie meinen Sie das?

Nun, Ihr Führungsspieler Stefan Effenberg hat auf eine Rückkehr in die Nationalmannschaft verzichtet und steht ausschließlich dem FC Bayern zur Verfügung.

Wir hätten natürlich jede Entscheidung von Stefan Effenberg unterstützt. Stefan hat ein Ja oder Nein noch einmal eingehend geprüft. Das Urteil ist bekannt.

Was sprach für Sie als Vereinstrainer gegen ein Comeback?

Es wäre eine wahnsinnige Belastung für Geist und Körper gewesen. Wochen- und monatelang immer im Mittwoch-Samstag-Rhythmus zu spielen, die Reiserei, die Hotels, das hätte eine eine ziemliche Anstrengung bedeutet.

Wie hätten Sie auf seine Rückkehr in das Nationaltrikot reagiert?

Ich hätte ihm zur Schonung mehr Pausen beim FC Bayern geben müssen. Selbst in der Champions League, einem Kernwettbewerb für uns, hätte er dann sicher nicht durchspielen können.

Es gab Stimmen, der 31-jährige Effenberg könne als Leitfigur für die Nationalmannschaft sowieso nicht mehr infrage kommen.

Seine Klasse und sein Potenzial waren das mit Abstand gewichtigste Argument für ein Comeback. Mehr muss ich dazu nicht sagen.

Nach dem verkorksten Auftritt der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft hat ein Scherbengericht über den deutschen Fußball eingesetzt. War die Kritik übertrieben oder in ihrer Schärfe berechtigt?

Wenn man sich die Unterschiede in der Spielkultur zwischen dem deutschen Team und Mannschaften wie Holland, Portugal oder Frankreich ansah, kam man schon ins Grübeln. Unser Spiel war überholt und farblos. Es wirkte, als wären wir im modernen Fußball nicht angekommen.

Die Nationalmannschaft kann aber nicht besser sein als die Bundesliga, die sie mit Spielern beliefert.

Die Bundesliga braucht noch mehr spielerische Qualität, keine Frage. Da sind wir als Vereinstrainer von Nummer eins bis Nummer 18 gefordert, das weiter zu verbessern. In manchen Klubs wird ja noch mit einem Libero hinter der Abwehr oder mit Manndeckung operiert, so etwas hemmt natürlich den Fortschritt.

Diese Schwachstellenanalyse ist keinesfalls neu. War das Debakel der Nationalelf für Sie nicht längst absehbar?

Also die Art und Weise, wie die Europameisterschaft ablief, war auch für mich noch eine Enttäuschung. Auch wenn ich schon nach den letzten Qualifikationsspielen sehr skeptisch war.

Worin liegt die entscheidende Fehlentwicklung im deutschen Fußball der letzten Jahre?

Ich bin hier nicht der Oberscharfrichter, der das beurteilen will. Ich kann nur sagen, dass ich in Dortmund und München mit modernem Spiel meinen Beitrag geleistet habe, um den Fußball voranzubringen. Das ist auch für die Zukunft meine oberste Maxime und die größte Hilfe, die ich einem Rudi Völler und einem Christoph Daum geben kann. Aber noch einmal: Der Fußball muss bei uns überall auf die Höhe der Zeit kommen. Sonst verlieren wir den Anschluss.

Sie halten bei Bayern München ein schwieriges Geflecht hoch bezahlter und egozentrischer Topspieler scheinbar mühelos zusammen. Gleichzeitig wird in der Nationalmannschaft, aber auch in Bundesliga-Klubs, über die heutige Spielergeneration und einen Sittenverfall bei den Profis geklagt.

Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass ich die Spieler gerecht behandele. Mir hat noch keiner von den Spielern nachgewiesen, dass ich ihn benachteilige. Diese von mir vorgelebte Fairness schafft Ordnung und Respekt in der Gruppe. Wie könnte ich ein Rotationsprinzip einführen, wenn ich bestimmte Leute ständig davon ausnehmen würde?

War denn das Amt des Nationaltrainers nie Ihr Ziel?

Ich bin keiner von denen, die sagen: In fünf Jahren bin ich Trainer bei diesem Verein, in zehn Jahren bin ich Bundestrainer. Für mich kam es darauf an, die kurzfristigen Erfolge bei meinen Klubs herzustellen. Alles weitere ist dann eine Frage der Logik.

Logisch wäre es auch, dass der erfolgreichste Vereinstrainer der 90er Jahre einmal Bundestrainer wird.

Theoretisch ja, praktisch nein. Ich habe einen Vertrag beim FC Bayern, den ich erfülle. Und mit Rudi Völler und dann Christoph Daum haben wir Persönlichkeiten, die alle bevorstehenden Herausforderungen meistern können.

Fühlen Sie sich als Vereinstrainers wohler?

Eins ist klar: Bei den Bayern wird mehr von mir verlangt. Der Druck, der Stress und der Aufwand im Job sind viel größer. Die Nationalmannschaft kommt ja nur zehn Mal im Jahr für einige Tage zusammen.

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