Sport : Pantelic wird sesshaft

Nach langwierigen Verhandlungen entschließt sich Hertha BSC, die Option für den Stürmer einzulösen und ihn für drei Jahre zu verpflichten

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Gestern Nachmittag, kurz nach 15 Uhr, tat sich plötzlich etwas. „Ich muss mich beeilen“, sagte Marko Pantelic am Telefon. „Ich fahre gerade in die Geschäftsstelle, wo ich meinen neuen Vertrag unterschreibe.“ Der Serbe sprach mit hoher Stimme, er lachte. Lange hatte der 27 Jahre alte Angreifer von Hertha BSC mit seinen Toren auf diesen Moment hingearbeitet. Nun darf er für weitere drei Jahre in der Fußball-Bundesliga für die Berliner spielen. 1,5 Millionen Euro muss Hertha dafür an Pantelic’ ehemaligen Verein Roter Stern Belgrad überweisen.

Die Berliner hatten lange mit der Entscheidung gewartet, ihn zu verpflichten. Heute, am Tag des Bundesliga-Heimspiels gegen Borussia Dortmund, wäre die Frist für einen Kauf abgelaufen, die in dem Ausleihvertrag des Serben festgesetzt ist. Herthas Klubführung war wohl auch deshalb skeptisch, weil Pantelic es bisher nie lange bei einem Klub ausgehalten hatte. Manager Dieter Hoeneß hatte im Februar überlegt, den Angreifer noch einmal auszuleihen, um seine Leistung über einen längeren Zeitraum beobachten zu können. „Das war zuletzt kein Thema mehr“, sagte Hoeneß gestern. „Nachdem er zehn Tore erzielt hat, stellt sich diese Frage nicht.“ Vermutlich hätte auch Pantelic sich dagegen gewehrt, weiterhin auf Probe vorzuspielen. 10 Tore aus 24 Spielen bedeuten die beste Quote aller Hertha-Stürmer seit Michael Preetz, der seine Karriere 2003 beendet hatte.

Erfüllt Pantelic seinen Vertrag bei Hertha, wird Berlin zur längsten Station seiner Karriere. Er hat schon für neun Vereine in sieben Ländern gespielt. Paris St. Germain war darunter, Sturm Graz und Celta Vigo. Er blieb meist nur ein paar Monate, hinterließ bei seinen ehemaligen Arbeitgebern selten Freunde. „Ich habe Fehler gemacht, als ich jung war. Mit den Jahren bin ich anders geworden, ruhiger“, sagte er. Nun wolle er sich ein Haus in Berlin kaufen und Deutsch lernen, erzählte Pantelic gestern.

Bereits in der vergangenen Saison schien Pantelic eine feste Bleibe gefunden zu haben: Für Roter Stern Belgrad erzielte er 21 Treffer und wurde damit Torschützenkönig in der serbischen Liga. Dann kam das Angebot von Hertha. „Ich wollte mich weiterentwickeln“, sagte er nach seiner Verpflichtung. „Die Liga in meiner Heimat ist viel schwächer als die in Deutschland.“

Seit September spielt Pantelic für Hertha. In seinen ersten neun Bundesligaspielen gelangen ihm vier Tore und zwei Vorlagen. Kurz darauf traf er allerdings nicht mehr. Pantelic setzte wegen Leistenbeschwerden häufig mit dem Training aus – wie durch ein Wunder wurde er vor den Spielen aber fast jedes Mal wieder fit. Nach der Winterpause verpflichtete Hertha einen neuen Stürmer. Der von Borussia Mönchengladbach ausgeliehene Vaclav Sverkos durfte spielen, während Pantelic auf der Reservebank Platz nehmen musste. Sverkos traf das Tor nicht, Pantelic bekam noch eine Chance. Und die nutzte er. Allein in den vergangenen drei Spielen erzielte er drei Tore. „Ich glaube, dass er noch besser wird – weil er die Laufwege seiner Mitspieler besser kennen lernt und seine Mitspieler seine Laufwege“, sagte Dieter Hoeneß.

Gestern verließ Pantelic den Trainingsplatz als Letzter. Den wartenden Fans musste er eine Viertelstunde lang Schals und Mützen signieren. Marko Pantelic tat es mit einem Lächeln – die wichtigste Unterschrift hatte er bereits zwei Stunden vorher gegeben.

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