Sport : Paralleles Olympia

Benedikt Voigt

Es ist nicht endgültig geklärt, woher der Begriff „Paralympics“ stammt. Er könnte eine Verbindung der englischen Wörter „Paralysis“, Lähmung, und „Olympics“ sein, denn bei ihrer ersten Auflage 1960 in Rom nannten sich die Wettkämpfe der Behindertensportler noch „Weltspiele der Gelähmten“. Er könnte aber auch vom griechischen „para“ stammen, was „sich anschließen“ heißt. Tatsächlich schließen sich die Paralympics seit 1988 regelmäßig zeitlich den Olympischen Spiele an. Er könnte aber auch eine Abkürzung für „Parallel-Olympics“ sein. Das wäre die sinnvollste Erklärung.

Die Paralympics sollten nicht vor oder hinter den Olympischen Spielen stehen, sondern parallel daneben. Gleichberechtigt. Dass sie auf dem Weg dazu sind, lässt sich gegenwärtig in Turin erkennen. Immer weniger speist sich das Interesse an den Paralympics aus mitleidsvoller Betroffenheit oder politischer Korrektheit den Behinderten gegenüber. Mehr und mehr interessieren sich die Zuschauer für ihre herausragenden sportlichen Leistungen. Und für Persönlichkeiten wie den Monoskifahrer Martin Braxenthaler aus Traunstein („I bin vom Land, wir packens mit der Hand“) oder die blinde Biathletin Verena Bentele. Zuletzt hatte es bei vorhergehenden Paralympics auch einige Dopingfälle gegeben. Man kann selbst das aus dem Blickwinkel der Gleichberechtigung positiv werten: Die Paralympics haben die gleichen Probleme wie alle anderen Sportarten.

Bentele hat unlängst bedauert, dass das Interesse an ihren Leistungen nach den Paralympics abflaue. Doch auch dieses Desinteresse lässt sich positiv interpretieren. Ihr geht es damit nicht anders als den olympischen Bobfahrern, Rodlern oder Curlern. Alles ganz normal.

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