Sport : Paralympics: Mehr Verständnis gefunden

Der Karneval ist vorbei: Die Olympiastadt Sydney hat sich mit einer begeisternden Schlussfeier der "besten Paralympics aller Zeiten" von der Welt verabschiedet. Um 20.36 Uhr Ortszeit erlosch vor 87 000 Zuschauern endgültig die Flamme über dem Stadium Australia, dem Zentrum der einmalig guten wie herzlichen Spiele für Behinderte und Nicht-Behinderte. 4000 bei der grandiosen Abschlussparty auf dem Rasen feiernde Athleten gaben im Konfettiregen den Staffelstab symbolisch an Athen 2004 weiter.

"Ich hatte eine Gänsehaut, fand die Stimmung unglaublich und war auch ein bisschen traurig", schilderte die sehbehinderte deutsche Fahnenträgerin Michaela Fuchs ihre Emotionen. In einer entspannten Atmosphäre mit Tausenden fliegender Luftballons im ganzen Stadion rollte noch einmal die Geschichte der Spiele seit der Vergabe-Session 1993 in Monte Carlo ab. Nach einem gewaltigen Feuerwerk führte eine Serie von Video-Montagen über den Bau des Wettkampfzentrums Olympic Park zu den magischen Momenten beider Spiele. Gleichzeitig brachten im Innenraum Requisiten der olympischen und paralympischen Eröffnungsfeier sowie Kängurus auf Fahrrädern die Stimmung zum Brodeln.

Um 20.30 Uhr erklärte Robert Steadward als Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) die Spiele für beendet und übergab die Paralympics-Flagge an Athens Vize-Bürgermeister Nikos Yiatrakos. 28 Tage zuvor hatte IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch an gleicher Stelle die Olympischen Spiele von Sydney als die "besten aller Zeiten" gekürt.

Ein Höhepunkt der mit einem 45-minütigen Konzert ausklingenden Fete war die Auszeichnung von Martina Willing (Brandenburg) mit einer Medaille aus 75 Gramm purem Gold für ihre besonderen Verdienste bei der Überwindung ihrer Behinderung durch den Sport. In der Jugend erblindet, dann als Folge einer Operation 1994 querschnittgelähmt, schaffte die 41-Jährige doch immer wieder den Sprung in die Medaillenränge der Paralympics.

Martina Willing ist nur ein Beispiel für die Courage der Behindertensportler, die in Australien erstmals die gebührende Anerkennung fanden. "Nach Sydney ist die Welt nicht mehr die gleiche, zumindest im Behindertensport. Ich glaube, dass wir mit diesen fast perfekten Spielen ein größeres Verständnis für unsere Athleten gefunden und ein neues Zeitalter begonnen haben", erklärte Steadward.

Tatsächlich hat in Sydney die Ära des Profi-Behindertensports begonnen. Neben 1,2 Millionen Zuschauern, über 200 Weltrekorden und dem Abschluss eines angeblich mit 150 Millionen Mark dotierten Fernsehvertrages bis 2006 spricht allerdings auch die Rekordzahl von zehn Dopingfällen für sich. Symbolisches Zeichen für die Annäherung zum Nichtbehindertensport war der Abschluss eines Kooperationsvertrages mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Ähnliche Verträge auf Länderebene sollen folgen.

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