Paralympics : Sport, der bewegt

Promoter aus aller Welt demonstrieren in Berlin die neue Bedeutung der paralympischen Bewegung.

Annette Kögel
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Lächeln für 2016. Karin Korb und Linda Mustandrea (re.) werben für die Paralympics in Chicago.Foto: Rückeis

Berlin - Sport regt gesellschaftliche Veränderungen an. Was nach einer zu oft wiederholten Weisheit klingt, erledigt die Paralympische Sportbewegung von ganz allein. Paralympics, das sind längst nicht mehr belächelte Spielchen von Randsportlern, die ein paar Bälle fallen lassen. Paralympics sind zur weltweiten Leistungssport-Bewegung für Menschenrechte, Mitbestimmung und Teilhabe an der Gesellschaft geworden – das hat sich am Wochenende beim „International Paralympic Day“ am Brandenburger Tor in Berlin deutlich gezeigt. Dort war zu sehen, dass sich die Olympischen Spiele der Menschen mit Behinderungen auch zum Geschäft um die Gunst von Sponsoren und Touristen entwickelt haben.

Das hat es zuvor noch nicht gegeben: Die Bewerberstädte der Olympischen Spiele 2016, die stets auch die Paralympics ein paar Wochen danach ausrichten, schickten eigene Werbebotschafter für einige Tage zu einem Paralympics-Sportfest nach Deutschland. Rio de Janeiro, Tokio, Chicago und Madrid, sie alle bezahlten deutsche PR-Agenturen für den besonderen Auftritt, sie alle schickten auch einstige Sportler als Testimonials ans Brandenburger Tor, ließen Broschüren, beliebte Tausch-Pins und allerlei andere Giveaways verteilen – etwa Fächer aus Japan oder Sport-DVDs vom Zuckerhut. Die Entscheidung für die Austragungsorte der Olympischen und Paralympischen Spiele 2016 naht sichtbar. Sie fällt am 2. Oktober.

Andrew Parsons, Präsident des Paralympischen Komitees Brasiliens, schwärmte vom Aufstieg seiner Nation auf Medaillenrang neun in Peking. Allein 25 Millionen Behinderte leben in Brasilien, eine große Ziel- und Kadergruppe. „Mit den Spielen würden wir eine Menge für die Menschen auf den Weg bringen“, sagt Parsons. So wie es ein kleiner Schritt für die Fernsehwelt war, aber ein großer für die Integration, als die staatlichen chinesischen Sender während der Paralympics 2008 Stunden um Stunden ein öffentliches Forum für Körperbehinderte boten, die Boccia-Kugeln per Stock mit dem Mund bewegten. Selbst hochrangige Chinesen sollen ihren Präsidenten Hu Jintao selten so gelöst erlebt haben wie hinter den Kulissen der Verhandlungen mit dem Team vom Internationalen Paralympischen Komitee aus Bonn. Aus diesem Land, dessen Bundespräsident Horst Köhler sich locker und selbstverständlich für einen Basketball-Showwurf beim Paralympics-Tag in den Rollstuhl setzte – das Foto ging nun um die Welt. Paralympics sind längst nicht mehr „Freakshow“, wie Behinderte selbst gern mal lästern. Sondern „man lernt faszinierende Sportler mit Tiefgang kennen“, sagt Christian Teichmann von der Unternehmenskommunikation der Allianz.

So wie Linda Mastandrea und Karin Korb vom Promotion-Team aus Chicago. Mastandrea lobte in Berlin ihre Heimatstadt mit zentral gelegenen Sportstätten, coolen Bluescafés und guten Restaurants. Barack Obama wolle sich jetzt noch ins Zeug legen. Auch die Deutschamerikanerin Karin Korb, die als Rollstuhltennisspielerin selbst nicht behinderte Athleten vom Platz fegte, gewann als Promoterin Sympathien für Humor und Charisma. Sie verunglückte als Turnerin. Aber sagt immer mit einem Grinsen, das sei beim „Klippenspringen in Acapulco“ passiert.

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