Paralympischer Sport : Kirsten Bruhn

Kirsten Bruhn hat mit 44 Jahren ihre erfolgreiche Schwimmkarriere nach mehreren Siegen bei Weltmeisterschaften und den Paralympics beendet - und hält nun Vorträge unter dem Titel „Du kannst mehr als du denkst“.

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Die mehrfache Paralympics-Siegerin Kirsten Bruhn bei der offiziellen Eröffnung der Kieler Woche.
Die mehrfache Paralympics-Siegerin Kirsten Bruhn bei der offiziellen Eröffnung der Kieler Woche.Foto: dpa

Kirsten Bruhn ist dreifache Paralympics-Siegerin, sechsfache Welt- und achtfache Europameisterin. Ende August beendete die 44-Jährige ihre Schwimmkarriere bei der EM in Eindhoven standesgemäß mit zwei Titeln. Langweilig wird ihr aber nicht: Neben ihrer Arbeit in der Pressestelle im Unfallkrankenhaus in Berlin als Botschafterin für Reha und Sport ist sie ehrenamtlich auch noch Botschafterin für den Weissen Ring, das Deutsche Rote Kreuz und nach wie vor für das Internationale Paralympische Komitee.

Nun hält sie Vorträge unter dem Titel „Du kannst mehr als du denkst“, wie die gleichnamige Dokumentation, die sie auf ihrem Weg zu den Paralympics 2012 in London begleitete. Doch wer denkt, er wüsste alles über die erfolgreiche Schwimmerin, nachdem er den Film gesehen hat, täuscht sich. Denn die gebürtige Schleswig-Holsteinerin redet auf einem solchen Vortrag über private Dinge ihres Lebens, die auf den ersten Blick so gar nichts mit ihrer sportlichen Karriere gemein haben. Sie braucht kein Skript, sie braucht keinen Plan, sie erzählt chronologisch ihr Leben nach.

Wie ihr Vater sie als Dreijährige ins Wasser warf und sagte: „Mäuschen, entweder du schwimmst oder du hast ein Problem.“ Wie sie je zwei Stunden vor und nach der Schule mit Training verbrachte und in die deutsche Nachwuchsspitze schwamm. Wie sie in der Pubertät Bulimie bekam und nichts mehr aß, „weil der große blonde Kerl per Telefon Schluss gemacht hatte“. Wie sie innerlich an der Entscheidung fast zerbrach, ihren Au-Pair-Aufenthalt in New Jersey für ihren schwer kranken Bruder abzubrechen. Wie sie ihr „Grafik und Design“-Studium in Hamburg nicht antreten konnte, weil sie sich bei einem Motorradunfall auf der griechischen Insel Kos eine inkomplette Querschnittlähmung zuzog. Wie sie sich durch die Reha kämpfte und mit 28 beim Nachwuchssichtungslehrgang des Deutschen Behindertensportverbandes auftauchte. Und wie sie schlussendlich die erfolgreiche Paralympionikin wurde, die ob der Vielzahl von Titeln auf ihrer Homepage eine eigene Rubrik mit ihrer Bilanz öffnete, weil es zu mühsam wäre, alle Erfolge einzeln zusammenzuzählen. Angefangen ausgerechnet in Athen 2004, als ihr Trainer nach der Landung zu ihr sagte: „Griechenland, du kannst Dich willkommen heißen.“

Bruhn zieht die Zuschauer mit einfachsten Mitteln in ihren Bann: Mit ihrer Erzählung, ihrer Mimik und Gestik. Und das zeigt Wirkung. Durch die Tiefe und teilweise Härte ihrer Worte nimmt sie jeden emotional mit. Sie lässt es die Zuschauer förmlich spüren, wie sehr sie das Element Wasser um ihren Körper fasziniert. Aber die 44-Jährige versteht es auch, das Publikum zum Lachen zu bringen. Vor ihrer ersten Siegerehrung 2004 in Athen, als sie die Goldmedaille gewann, musste sie zur Dopingkontrolle. Es lief nicht wie geplant: „Ich trank sechs Flaschen von diesem blauen Powerade-Zeug. Seither kann ich das nicht mehr sehen. Als ich dann doch zur Siegerehrung durfte, nahm ich mir vor, nicht zu weinen. Doch schon als die Nationalhymne ertönte, hatte ich Tränen in den Augen – weil meine Blase so drückte.“

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