Sport : Partner wechseln am Strand

Beachvolleyball-WM: Borger spielt ohne Büthe.

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Berlin - Wenn Karla Borger erfahren will, wie es sich anfühlt, Europameisterin im Beachvolleyball zu werden, muss sie nicht lang suchen: Ihrer Mutter Cordula Pütter gelang dieses Kunststück, 1995, als die Sportart Beachvolleyball in Deutschland gerade ihre Metamorphose vom Freizeitvergnügen im Sand zum Leistungssport durchlief. Weitreichende Erkenntnisse wird Karla Borger bei ihren Recherchen allerdings nicht erwarten können. Die Szene vor 20 Jahren, sagt Cordula Pütter, sei mit der heutigen aufgrund der gestiegenen Professionalität kaum zu vergleichen. Die Zeitenwende ist auch am Outfit zu sehen. „Die Höschen, die wir getragen haben, waren viel länger“, sagt Cordula Pütter.

Als die Mutter den Sand umwühlte, war sie 35 und wollte am Ende einer erfolgreichen Karriere in der Halle etwas Neues ausprobieren. Bei Turnieren an der Ostsee schnappte sie sich das Wohnmobil ihrer Eltern, ihre drei Kinder und fuhr los. Karla war damals sieben, sie empfand das mütterliche Spielfeld als großen Abenteuerspielplatz. Heute ist sie 24 und hat ihre Mutter sportlich längst überholt.

Tatsächlich ist die Entwicklung rasant: Bei der Weltmeisterschaft in Stare Jablonki (Polen) stürmten Borger/Büthe als erstes europäisches Team überhaupt ins Finale und hätten ihre historische Tat beinahe veredelt, wäre es ihnen gelungen, gegen die Chinesinnen Chen Xue und Xi Zhang ihren Matchball zu verwandeln. Aber auch so waren die Taten so aufsehenerregend, dass eine Einladung ins „Aktuelle Sportstudio“ folgte.

Karla Borger hat sich als eine der weltbesten Abwehrspielerinnen etabliert. So wie die WM verlaufen ist, müsste sie bei der heute beginnenden EM in Klagenfurt am Wörthersee als Favoritin an den Start gehen – hätte sich Britta Büthe nicht verletzt. Sie laboriert an einer Bauchmuskelzerrung, die sie sich im WM-Viertelfinale zugezogen hat, was das Duo aus Stuttgart geheim hielt. „Es ist unglaublich, was Britta da an Schmerzen weggesteckt hat“, sagt Karla Borger, „das macht den Erfolg für uns noch ein bisschen wertvoller.“

Nun wird es Karla Borger am Wörthersee also mit Interimspartnerin Elena Kießling probieren. Der neuen Herausforderung sieht sie relativ entspannt entgegen: „Ich weiß, dass Elena sehr gut spielen kann, wir haben allerdings keine gemeinsamen Erfahrungswerte auf Sand.“

Nicht nur Britta Büthe muss bei der EM zuschauen, auch Olympiasieger Julius Brink befindet sich weiter im Wartestand. Seit vielen Wochen setzt ihn eine hartnäckige Oberschenkelverletzung außer Gefecht. Raimund Wenning, Beach-Koordinator des Deutschen Volleyball-Verbandes, findet es „schade, dass zwei solche Top-Athleten ausfallen“, doch das ändert nichts an der generellen Marschroute: „Wir wollen auch bei dieser EM wieder Medaillen holen, am liebsten bei Männern und Frauen.“ Die Erfahrung zeigt, dass diese Hoffnung keine trügerische ist. Mit 27 Medaillen ist Deutschland bei Europameisterschaften im Sand die mit Abstand erfolgreichste Nation.Felix Meininghaus

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