Patrick Ebert : Herthas erster Neuzugang

Wieder im Team: Patrick Ebert kehrt fünf Monate nach seinem Kreuzbandriss ins Mannschaftstraining zurück. Für Herthas Trainer ist er wie ein Neuzugang

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Zurück am Ball. Patrick Ebert trainiert wieder mit dem Team.
Zurück am Ball. Patrick Ebert trainiert wieder mit dem Team.Foto: Matthias Koch

Berlin - An diesem Nachmittag, im Schneetreiben auf dem Olympiagelände, genießt Patrick Ebert in doppelter Hinsicht eine Sonderstellung. Zum einen trainiert er zum ersten Mal seit fünf Monaten wieder gemeinsam mit seinen Kollegen von Hertha BSC; das allein ist ein besonderer Grund zur Freude. „Schön war’s“, sagt Ebert. Zum anderen trägt er als Einziger auf dem Platz ein rotes Leibchen. Elf Blaue spielen gegen elf Gelbe auf vier kleine Tore, und Ebert mischt als freier Mann in Rot immer bei der Mannschaft mit, die gerade im Ballbesitz ist. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass er immer angreifen darf und nie verteidigen muss. Doch was auf den ersten Blick wie eine Belohnung für einen vom Fußball Entwöhnten wirkt, ist in Wirklichkeit eine Vorsichtsmaßnahme. „Ich war Sparringspartner für die anderen“, sagt Ebert. „Mich durfte ja keiner angreifen.“

Mitte Juli hatte sich Herthas Mittelfeldspieler in einem Testspiel bei einem Zusammenprall mit dem Torhüter des SSV Ulm das Kreuzband gerissen. Für Ebert war das doppelt bitter, weil er nach einer auch für ihn persönlich enttäuschenden Saison bei Hertha in der Zweiten Liga einen Neuanfang wagen wollte und der neue Trainer Markus Babbel fest entschlossen schien, dieses Unternehmen wohlwollend zu begleiten. „Er hat in meinen Planungen eine wichtige Rolle gespielt“, sagt Babbel. Ebert war als rechter Teil einer Flügelzange vorgesehen, die den Stoßstürmer Rob Friend verlässlich mit Flanken versorgt. Seine Verletzung hat diesen Plan nachhaltig durchkreuzt.

Dass Ebert dem Zeitplan mit seinem Einstieg ins Mannschaftstraining einen guten Monat voraus ist, sieht Herthas Manager Michael Preetz als Indiz dafür, „wie diszipliniert er gearbeitet hat“. Auch Babbel findet es phänomenal, mit welchem Ehrgeiz und welcher Professionalität der 24-Jährige das Rehaprogramm absolviert hat: „Das spricht für seine Mentalität.“ Ohnehin scheinen ihn die alten Geschichten über das schlampige Talent nicht zu interessieren. „Ich habe ihn nur von der besten Seite kennengelernt“, sagt Herthas Trainer. Ebert sei für ihn wie ein Neuzugang: „Ich bekomme einen Qualitätsspieler hinzu.“ Vor allem aber eröffnet sich Babbel durch die Rückkehr des Mittelfeldspielers eine neue, alte taktische Option.

„Es ist klar, dass er noch Zeit braucht“, sagt Herthas Trainer. Wenn der Berliner Zweitligist am 28. Dezember die Vorbereitung auf die Rückrunde beginnt, soll Ebert wieder das komplette Programm mitmachen können; bis dahin wird er noch eingeschränkt mit den Kollegen trainieren, zusätzlich aber auch weiterhin individuell an seiner Fitness arbeiten. „Bei den Zweikämpfen muss er noch aufpassen“, sagt Babbel. Seinen Mitspielern hat er daher explizit aufgetragen, „auf ihn ein bisschen Rücksicht zu nehmen“.

Patrick Ebert wird vermutlich froh sein, wenn er in dieser Hinsicht keine Sonderstellung mehr genießt.

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