Sport : Patron und Pariarch - wenn Politiker sich dem runden Leder verschreiben (Glosse)

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Was so ein richtiger Fußballklub ist, der braucht natürlich einen Patron. Dieser Patron ist meistens ein Politiker, weshalb man auch von einem politischen Patron sprechen darf. Von einem politischen Patron beschützt zu werden, kann viele Vorteile haben. Mit der Baugenehmigung für das neue Stadion geht es schneller, und manchmal kommen auch irgendwoher tolle Sponsorenverträge. Wenn man den richtigen Patron hat, kann man sogar zehnmal hintereinander Meister werden. Aber das funktioniert nur im Sozialismus, und dann auch nur, wenn der Patron Erich Mielke heißt.

Doch zurück zum Kapitalismus. Die Hertha aus Berlin besitzt nun auch einen echten Patron, den Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse. Der ist in der vergangenen Woche in den Wirtschaftsrat der Hertha eingetreten. Bislang hatte die Hertha nur Rupert Scholz. Aber es war für die Abwehrarbeit der Berliner Fußballspieler sicher kein gutes Omen, einen abgelösten Verteidigungsminister als Patenonkel zu haben. So ein politischer Patron soll dem Klub nämlich auch Glück bringen, und gerade deshalb muss man sich ihn gut aussuchen.

Manche Klubs haben da schon verhängnisvolle Fehler gemacht. Der Karlsruher SC zum Beispiel war so blöd, die Patronage von Klaus Kinkel anzunehmen. Beim letzten Spiel des KSC in der Ersten Liga ist Kinkel nach Rostock gefahren und hat sich mit Fanschal auf die Tribüne gesetzt. Der Rest ist bekannt. Erst hat Kinkel den KSC in die Zweite Liga geführt und dann die FDP in die Opposition. Dass zwischen beiden Ereignissen ein unmittelbarer Zusammenhang besteht, bedarf keiner ausdrücklichen Erwähnung. Oder die Münchner Stadtmeisterschaft: Da war doch auch meistens schon vorher klar, wer gewinnt. Edmund Stoiber passte mit absoluter Mehrheit auf den FC Bayern auf, während sich Theo Waigels Deckungslücken auf die Verteidigung der von ihm beschützten Sechziger übertrugen. Und kaum hatte Roland Koch die Wahl in Hessen gewonnen, war er willkommener Gast auf der Ehrentribüne des Frankfurter Waldstadions. Am Ende der Saison hat die Eintracht den Abstieg verhindert, ganz knapp zwar, aber keineswegs zufällig.

Ganz verheerend kann es dagegen sein, wenn der Politiker auf einmal nicht mehr Politiker sein will, weil er sich ganz auf den Fußball konzentrieren möchte. Wenn also der politische Patron nur noch Patron ist, kann er auch kein Glück mehr bringen. Wie Gerhard Mayer-Vorfelder. Seitdem er kein Ministeramt mehr in Baden-Württemberg besitzt, sondern nur noch Präsident des VfB Stuttgart ist, geht es mit seinem Klub rasant bergab. "MV" denkt natürlich gar nicht daran, einen neuen politischen Patron zu besorgen, einen anderen Schwaben wie den Rezzo Schlauch. Der Rezzo denkt natürlich auch nicht daran, sich um den VfB zu kümmern. Denn der VfB hat mit "MV" schon einen Patriarchen, und Patron und Patriarch nebeneinander, das geht nun wirklich nicht.

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