Petersson und die Füchse : Lass uns Freunde bleiben

Wiedersehen macht Freude: Handballer Alexander Petersson kehrt am Dienstagabend mit den Rhein-Neckar Löwen zu seinem alten Verein, den Füchsen Berlin, zurück.

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Alexander Petersson gibt sich diplomatisch. „Jede Station in Deutschland war eine gute Station“, sagt er. „Ich kann mich nicht festlegen, wo es mir am besten gefallen hat“, ergänzt der Isländer, „aber ich glaube, dass ich immer beliebt in meinen Teams war, das ist mir ganz wichtig.“ Dank seiner sachlich-zuverlässigen Art der Dienstverrichtung mochten sie den Handballer und Menschen Petersson sowohl in Düsseldorf, seiner ersten Bundesliga-Station, als auch später in Flensburg und Berlin. Im vergangenen Sommer wurde er bei den Füchsen schließlich mit stehenden Ovationen in Richtung Mannheim verabschiedet. Und womöglich wird Petersson auch mit ebensolchen begrüßt werden, wenn er mit den Rhein-Neckar Löwen als Gast in die Max-Schmeling-Halle zurückkehrt, in der am Dienstagabend das Spitzenspiel des 29. Bundesliga-Spieltags stattfindet (19 Uhr, live bei Sport1). „Eigentlich mag ich solche Spiele nicht besonders, weil sie mehr Stress bedeuten“, sagt er.

Was im Kern wiederum zu der Frage führt, die von vielen Beobachtern gestellt, aber nie wirklich beantwortet wurde: Warum hat Petersson die Berliner 2012 überhaupt verlassen? Warum ging er von einem für die Champions League qualifizierten Klub zu einem, der sich personell beinahe komplett neu aufgestellt hatte? „Es war eine komplizierte Situation“, sagt der Linkshänder, „ich habe ja bei den Löwen bereits ein Jahr vor meinem Wechsel unterschrieben, damals habe ich den Klub auf dem Weg in die Weltspitze gesehen – und plötzlich war alles kaputt.“ Nach dem Rückzug des Mäzens Jesper Nielsen mussten die Mannheimer ihren Etat um ein Drittel auf fünf Millionen Euro kürzen und ihren halben Kader aussortieren. Petersson sagt: „Ich hatte Manager Torsten Storm mein Wort gegeben. Ich konnte nicht einfach zurückziehen.“ So irrwitzig es klingen mag: Im Grunde hat der Sparzwang die Rhein-Neckar Löwen erst zu dem gemacht, was sie in dieser Saison sind – Überraschungsteam und Sympathieträger. Lange Zeit führten sie die Tabelle vor Serienmeister THW Kiel an, zudem steht der Klub im Final-Four-Turnier um den EHF-Pokal. „Wir sind selbst überrascht, dass es so sensationell gut läuft“, sagt Petersson. Ein Sieg gegen die viertplatzierten Berliner würde dem Tabellenzweiten in Sachen Champions-League- Qualifikation fast schon Gewissheit schaffen. „Es wird ein kleines Endspiel“, sagt der Rückraumspieler, „wobei die Füchse eigentlich gewinnen müssen.“

Petersson hat die Entwicklungen bei seinem alten Verein genau verfolgt. Mit Blick auf die Zu- und Abgänge am Saisonende, zwölf an der Zahl, prognostiziert er eine schwierige Saison. „Vielleicht muss man in Berlin ein, zwei Jahre ohne Champions League planen“, sagt er, um hinterherzuschieben: „Wenn jemand diese Spieler zu einem neuen Team zusammenbasteln kann, dann ist es Trainer Dagur Sigurdsson.“ Alexander Petersson weiß eben, wie man sich bei ehemaligen Vereinen beliebt macht – und es bleibt.

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