Sport : Pfiffe auf dem Centre Court Kritik am Präsidenten des Volleyball-Weltverbandes

Karsten Doneck

Berlin - Ein Streik? Die Sorge um einen Abbruch der Beachvolleyball-WM in Berlin? Aufmüpfige, wütende Spielerinnen? Nein, alles war doch ganz harmlos. Jedenfalls nach Ansicht von Ruben Acosta. Als sich die Lage nach dem mehr als einstündigen Spielerausstand am Donnerstagmittag allmählich beruhigt hatte, nahm der allgewaltige Präsident des Volleyball-Weltverbandes FIVB die Gelegenheit wahr, die ganze missliche Angelegenheit gründlich zu verharmlosen. Sicher, es habe „ein paar Missverständnisse und Kommunikationsprobleme gegeben“, sagte Acosta, aber es sei doch „kein Spieler aus irgendeinem Land in irgendeiner Form diskreditiert worden“.

Die Fronten waren indes weitaus verhärteter, als es Acosta wahrhaben wollte. Noch am Vormittag hatte sich der Mexikaner strikt geweigert, überhaupt in Verhandlungen mit den Spielern treten zu wollen. Stattdessen wollte er Härte zeigen. Wer zur vorgegebenen Zeit nicht antritt, sollte hart bestraft werden: Der Ausschluss von der WM sowie von der weiteren World Tour sollten die Strafen sein, zudem wurden Geldstrafen und das Einfrieren von Bonuszahlungen angedroht. Ein Offizieller des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) erzählte gar, Ruben Acosta habe gedroht, streikende Spieler von den nächsten Olympischen Spielen in Peking auszuschließen.

„Wenn die FIVB ihre Sache durchgezogen hätte ohne nachzugeben, hätte es Krieg gegeben“, sagt Götz Moser, der Vizepräsident des Deutschen Volleyball- Verbandes (DVV). In dieser kritischen Phase schwang sich DVV-Präsident Werner von Moltke zum Krisenmanager auf. „Arroganz und Unrecht darf nicht siegen. Ich habe Herrn Accosta klargemacht, dass das unsere Beach-WM ist, und die lasse ich mir nicht kaputtmachen“, sprach er ein Machtwort. Von Moltke beschrieb später seine Gemütslage so: „Ich bin fast ausgeflippt.“

Unter diesem Druck gab Ruben Acosta, der als starrköpfig geltende Funktionär, nach. Später stellte sich der Präsident des Weltverbandes hin und verkündete: „Dies ist keine Niederlage für irgendeine Seite.“ Vielleicht ist das ein Irrtum des Mexikaners. Als Ruben Acosta gestern auf der Tribüne des Centre Courts erschien, gab es unüberhörbare Pfiffe gegen den Präsidenten. Das Publikum am Berliner Schlossplatz weiß offenbar, wem das Gezänk vor allem anzulasten ist.

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