Sport : „Plötzlich knallt der Wind rein“

Triathlet Timo Bracht über die Faszination des Ironman auf Hawaii und den Doping-Ruf seiner Sportart

Herr Bracht, um den Triathlon auf Hawaii, der in der Nacht auf Sonntag wieder stattfindet (0.15 Uhr, live in der ARD), ranken sich wahre Mythen. Warum ist das so?

Geschichtlich hat sich die Sportart dort ja gegründet. Persönlich ist es für mich die ultimative Herausforderung. Dort ist die Natur-Mensch-Wettkampf-Erfahrung am elementarsten. Du kommst sehr schnell an die Grenze des Machbaren.

Mit welchen Gefühlen steigt man dort ins Wasser?

Die Stimmung morgens ist fantastisch. Die Sonne geht hinter dem Vulkan auf und taucht die Bucht in ein unglaubliches Licht. Außerdem heizen einheimische Trommler die Stimmung an. Egal, wem man dort in die Augen sieht: Allen merkt man die Anspannung an. Jeder, der dort startet, weiß, dass er die nächsten acht oder neun Stunden mit sich allein ist.

Was haben Sie sich für das Rennen dort vorgenommen?

Ich möchte jetzt endlich ein absolutes Toprennen zeigen. Ein Platz unter den besten drei wäre ein Traum.

Wie realistisch ist das denn?

Wenn ich auf dem Rad und beim Laufen in der Spitze dabei bin, ist alles möglich. In den vergangenen Jahren hat mir das immer gefehlt. Ich war mal Achter, im vergangenen Jahr Elfter. Jetzt möchte ich richtig vorne reinkrachen.

Was macht es so schwer, Hawaii zu gewinnen?

Es sind die äußeren Bedingungen. Es gibt extreme Winde und die Lavahitze. Auf den ersten 60 Kilometern denkt man, dass alles läuft. Und dann fährt man um die Kurve und plötzlich knallt von der Seite der Wind rein, dass das Rad fast steht. Und dann steht die Sonne ziemlich zentral über dir. Das macht es so schwer, sich das Rennen einzuteilen.

Worauf kommt es im Wettkampf an?

Man muss Geduld haben, auf den richtigen Moment zum Angriff warten können. Einen Einbruch kannst du nicht mehr kompensieren. Dann ist man schnell beim eigentlichen TriathlonMotto: Jeder im Ziel ist ein Sieger. Bei meinem ersten Rennen 2001 war das Erreichen des Ziels einer meiner größten Momente als Sportler überhaupt. Ich war 31., aber befreit, dass ich es geschafft habe.

Gucken Sie sich ein solches Rennen im Nachhinein eigentlich noch einmal an?

Auf jeden Fall. Ich bin Analytiker. Ich habe jetzt an meiner Sitzposition auf dem Rad gearbeitet, sitze noch aerodynamischer. Für das Laufen habe ich mir sogar knielange Kompressions-Strümpfe zugelegt. Da haben andere zu mir gesagt: Du hast ja was an der Erbse. Zurzeit sind die Socken der absolute Renner, immer mehr laufen damit.

2004 war das kritischste Jahr für Ihre Sportart. Nach ihrem Sieg auf Hawaii hat Nina Kraft gestanden, mit Epo gedopt zu haben. Hat Ihr Sport daraus gelernt?

Auf jeden Fall. Es gab damals kaum Trainingskontrollen und keine flächendeckenden Wettkampfkontrollen. Auch der Strafenkatalog war unklar. Es gab für Doping-Vergehen nur ein Jahr Sperre, nicht zwei. Das hat sich alles schon geändert.

Haben Sie denn selbst erfahren, dass die Kontrollen häufiger wurden?

Ja. Von null Trainingskontrollen in 2003 ging es 2004 auf sechs hoch und jetzt werde ich fünf bis achtmal Mal im Jahr unangemeldet kontrolliert, auch im Ausland. Erst am Freitag vergangener Woche standen die Kontrolleure um acht Uhr morgens bei mir vor der Tür. Dies nehme ich aber gerne in Kauf. Je mehr kontrolliert wird und je mehr Betrüger gefunden werden, desto besser ist es für mich als sauberer Sportler.

Sind Sie denn sauber?

Ja. Vielleicht hört sich das blöd an, aber ich bin mit dem Spruch ’Keine Macht den Drogen’ aufgewachsen. Daran halte ich mich.

Doping-Bekämpfer Werner Franke zweifelt daran, dass man als Triathlet ohne unerlaubte Hilfsmittel Spitze sein kann.

Ich weiß. Wenn Herr Franke will, kann er mich komplett auf den Kopf stellen, mein Blut über Jahre einfrieren. Er wird darin nichts finden. Man kann mit Training so viel erreichen. Wenn Sie mich nach meiner besten Disziplin fragen, sage ich: Ich kann alles richtig gut, schwimmen, Rad fahren, laufen. Aber am besten kann ich mich auf den Punkt fit machen. Und das geht am besten durch Training, nicht durch Doping.

Das Gespräch führte Jürgen Bröker.

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