Plötzlich uncool : Snowboard-Szene hadert mit Olympia

Erwartbar, uncool, langweilig: Die Snowboard-Szene hadert mit Olympia. Selbst der Gewinner der ersten Goldmedaille von Sotschi beklagt die mangelnde Vielfalt.

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Routenier. Sage Kotsenburg ist Olympiasieger im Slopestyle. Trotzdem beklagt er mangelnde Vielfalt bei den Spielen im Snowboarding.
Routenier. Sage Kotsenburg ist Olympiasieger im Slopestyle. Trotzdem beklagt er mangelnde Vielfalt bei den Spielen im...Foto: AFP

Eine Hand am Snowboard, ein Flug meterhoch über der weißen Piste, viereinhalbfache Drehung – alles langweilig. Wenn einer behaupten darf, dass Olympia dem Snowboarding die Coolness genommen hat, dann ist es Sage Kotsenburg. Der US-Amerikaner hat das erste Gold während der Spiele in Sotschi gewonnen, die erste olympische Medaille im Slopestyle überhaupt. In diesem Jahr ist der Sport, bei dem die Boarder über Schanzen und Geländer springen, erstmals eine olympische Disziplin. Er ist im Mainstream angekommen.

„Beim Snowboarding gibt es heute keine Vielfalt mehr“, beklagt sich Kotsenburg im renommierten Boarder-Magazin „Onboard“. Alles sei nur noch Routine, die Sprünge erwartbar. „Was bringt uns die Weiterentwicklung von Tricks, wenn dabei der Style auf der Strecke bleibt?“, fragt Kotsenburg weiter. Er ist nicht allein. Seit langem brodelt es in der Szene, die verärgert ist, dass ein Sport, der als Rebellion gegen den konservativen Skisport begann, sich den Auflagen durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) beugen muss. In der Wertung der Juroren zähle nur Leistung, Höhe, Drehung – nicht die Kreativität.

„Wo zur Hölle ist die Individualität hin?“, fragt auch Snowboardprofi Ethan Morgan in einem Gastbeitrag für das Magazin. „Alle sind gleich, die gleichen Sprünge, der gleiche roboterartig Fahrstil, dieselben verbissenen Gesichter.“

Für das IOC hat sich die Aufnahme ins olympische Programm gelohnt. Bei den Spielen in Vancouver hatte der Wettkampf in der Halfpipe phänomenale Einschaltquoten. Die olympische Verjüngungskur wird aber unter dem Dach des Internationalen Skiverbands organisiert.

„Sie haben uns Snowboarding gestohlen“, schrieb kurz vor Beginn der Spiele Snowboard-Altmeister Terje Haarkonson im Magazin „Whitelines“. Der mehrfache norwegische Freestyle-Weltmeister hatte 1998 die ersten Winterspiele, bei denen Boarder zugelassen waren, boykottiert. Nun tritt er nach: „Wir brauchen das IOC nicht. Sie haben keinen Respekt vor der Kultur des Boardens.“ Dennoch: Die Skifahrer haben die Boarder gezähmt. Auch Olympiasieger Sage Kotsenburg: „Am Ende ist es nur Snowboarding und ich liebe es“, sagt er.

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1 von 16Foto: Reuters
20.02.2014 15:01Eigentlich geht es bei den Hipster-Olympics ja eher ums Selfies-Schießen. Der Slowene Filip Flisar tritt aber im Skicross an.

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