Pokal-Halbfinale : Hitzfeld will Kämpfer sehen

Nachdem sich am Dienstag Borussia Dortmund als erste Mannschaft ins Finale geschossen hat, wird vor dem zweiten Halbfinale der Ton im Bayern-Team schärfer. Trainer Ottmar Hitzfeld ärgert sich über die Niederlage in Cottbus "zu Tode". Und Wolfsburgs Felix Magath hofft gegen seinen Ex-Klub auf einen Coup.

Roland Peters
Ottmar Hitzfeld
Zwei Niederlagen in Folge reichen dem Bayern-Trainer. -Foto: dpa

Nach den peinlichen Pleiten gegen Anderlecht und Cottbus kann Bayern München nur mit einem Sieg an diesem Mittwoch (20.30 Uhr / ARD) im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg die Krise abwenden. "Das ist eine gute Chance, einiges wiedergutzumachen und entschlossen als Team aufzutreten", fordert Hitzfeld von seiner viel gescholtenen Millionen-Truppe. "Die Mannschaft kann eigentlich nur zufrieden sein, wenn sie einige Titel geholt hat. Von daher wollen wir jetzt nicht auf halben Wege schlapp machen."

Beim Duell gegen seinen vor 14 Monaten entlassenen Vorgänger Magath verlangt Hitzfeld "wieder Aggressivität" und "Zweikampfverhalten" von seiner Elf. "Der General" baut dabei auf Altbewährtes: "Ich führe die Mannschaft jetzt wieder straffer. Eine Fußballmannschaft funktioniert nur mit Disziplin." Diesem Grundsatz hatte sich Martin Demichelis vor dem Cottbus-Spiel noch verweigert - er wollte nicht auf der ungeliebten Position im defensiven Mittelfeld spielen - und flog deshalb aus dem Kader. Nach einer Entschuldigung ist der Argentinier beim Heimspiel im Pokal jedoch wieder dabei.

Magath in der Erfolgsspur

Kapitän Oliver Kahn hat sein DFB-Pokal-Abschiedsfinale schon fest eingeplant. "Es gibt sicherlich kein drittes Spiel, in dem wir nicht siegreich sein werden", prophezeit Kahn und schenkte dem Ex-Coach keine große Beachtung. "Wir wollen ins Finale und da spielt es keine Rolle, wer Trainer auf der anderen Seite ist." Magath hat seine Kritiker in der Rückrunde zum Verstummen gebracht: War die mit fast 30 Millionen Euro runderneuerte Mannschaft in der Vorrunde noch blass geblieben, verlor der VfL 2008 bislang nur ein einziges Mal und spielte einmal unentschieden. Alle anderen Partien - sieben an der Zahl - gewann Magaths Mannschaft, zuletzt bei Werder Bremen.

"Alles andere als ein Finaleinzug wäre für die Bayern eine Blamage", sagte der 54-Jährige Magath, der den Bayern genüsslich die Favoritenrolle überlasst. Wolfsburg kann nur positiv überraschen, denn eine Niederlage der Niedersachsen erwartet eigentlich jeder. Der Sieg soll auch ohne Sonderbewachung für Bayerns Superstar Franck Ribéry realisiert werden. Allein durch die Endspiel-Teilnahme am 19. April könnte der Sieger der Halbfinal-Partie 1,5 Millionen Euro einstreichen.

Hitzfeld: "Fußball ist Kampfsport"

Der 13-malige Pokalsieger Bayern München will nicht nur ins Finale: "Es geht auch darum, den Leuten, die jetzt den Mund offen haben, das Mundwerk zu schließen", so Bastian Schweinsteiger. Er will mit einem Erfolg die jüngsten Nörgeleien verstummen lassen. In der Saison ist für die Bayern auch noch alles möglich, doch die Leichtigkeit zu Beginn der Spielzeit, als die "Super-Bayern" jede Mannschaft nach Belieben spielerisch dominierte und sich dies auch in Ergebnissen ausdrückte, ist verflogen. "Wenn man zwei Spiele hier beim FC Bayern verliert, ist es so, als würde man vor dem Abstieg stehen", meint Schweinsteiger.

Trainer Hitzfeld setzt der allgemein gängigen Fußball-Definition als Laufsport seine eigene entgegen: "Fußball ist ein Kampfsport. Wir sind hier kein Knabenchor." Für das Heimsspiel am Mittwoch fehlen der Ottmar'schen Kampftruppe allerdings der angeschlagene Willy Sagnol und der gesperrte Luca Toni. Anstelle des Weltmeisters soll der oft kritisierte Lukas Podolski für Tore sorgen. Die Wolfsburger reisen dagegen in Bestbesetzung an. Spätestens nach dem 1:0-Coup in Bremen stellen die Niedersachsen "natürlich" ein Spitzenteam dar, warnte Hitzfeld. Am Montag ließ er er schon für ein mögliches Elfmeterschießen trainieren.


Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Bayern München: Kahn - Lell, Lucio, Demichelis, Jansen - Altintop, van Bommel, Zé Roberto, Ribéry - Klose, Podolski

VfL Wolfsburg: Benaglio - Riether, Ricardo Costa, Madlung, Schäfer - Santana (Hasebe), Josué, Gentner - Marcelinho - Grafite, Dejagah

Schiedsrichter: Fandel (Kyllburg) (mit dpa)

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