Sport : Pokalsieg für Matej Mamic

Alba Berlins Basketballer schlagen Bamberg 85:73 und geben die Trophäe ihrem verletzten Teamkameraden

Helen Ruwald[Bamberg]

Er trug Jeans und hatte keine Sekunde gespielt, doch er durfte als Erster den Pokal in die Luft stemmen, hin zu den tobenden 600 Berliner Fans in der Bamberger Jako- Arena. Hollis Price hatte den Pokal zwar entgegengenommen, ihn aber sofort an Matej Mamic weitergegeben, der bis zu seiner schweren Rückenmarkverletzung im November Kapitän des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin war. „Die Mannschaft hat mir im Krankenhaus versprochen, dass sie mir den Pokal gibt, und sie hat ihr Versprechen gehalten“, sagte der Kroate strahlend. Sein Auftritt machte einen ohnehin emotionalen Abend noch emotionaler. 85:73 (51:25) hatten die Berliner im Finale des Top-4-Turniers GHP Bamberg geschlagen, und das ohne die Verletzten Luke Whitehead und Mike Penberthy.

Es war der erste Titel seit 2003, der erste Titel für Trainer Henrik Rödl als Trainer und dann auch noch in der Halle des Deutschen Meisters. Die Berliner Spieler ließen sich ihre Goldmedaillen umhängen, die Fans riefen „Henrik, Henrik“ und Rödl reckte ihnen zwar den rechten Arm entgegen, blieb aber im Vergleich zu den tobenden Menschenmassen um ihn herum ruhig und strahlte glücklich in sich hinein. Alba Berlins Vizepräsident Marco Baldi versuchte zu telefonieren, während der Lärmpegel immer mehr stieg, und Luke Whitehead kippte einem nach dem anderen eine Ladung Mineralwasser über den Kopf. Noch eine halbe Stunde später feierten einige Spieler eingekeilt zwischen den Fans. „Nach zwei Jahren ohne Titel fühlt sich das richtig gut an“, jubelte Jovo Stanojevic, der als wertvollster Spieler ausgezeichnet wurde, „nach diesen zwei Jahren haben wir heute 150 Prozent gezeigt. Das gibt Selbstvertrauen für die Play-offs.“

Begonnen hatte alles mit zwanzig Minuten, deren Verlauf Hollis Price als „Lüge bezeichnet hätte, wenn man mir das vorher gesagt hätte“. Das Spiel hatte für Alba wie ein Traum begonnen: Etwas mehr als fünf Minuten waren gespielt, da versenkte Demond Greene den Ball schon zum vierten Mal im Korb von GHP Bamberg. Es war sein vierter Dreipunktewurf, Alba führte 19:7 und die Demontage des Deutschen Meisters in dessen eigener Halle nahm ihren Lauf.

Schon am Ostersonntag hatte Alba Berlin die Franken in der Bundesliga geschlagen (85:70), doch gestern waren die Bamberger vor der Pause völlig chancenlos, Alba spielte die sonst so starke und kompromisslose Defensive der Gastgeber ein ums andere Mal aus und ging dank Jovo Stanojevic (18 Punkte bis zur Pause), Greene (15) und Nenad Canak (9) mit einem unglaublichen 26-Punkte-Vorsprung in die Kabine. Dabei hatte Trainer Henrik Rödl bis zur 19. Minute mit nur sieben Mann spielen lassen, Bamberg dagegen mit elf.

Noch am Sonnabend im Pokalhalbfinale hatte sich Alba gegen die Giessen 46ers (78:69) drei Viertel lang sehr schwer getan und schlecht verteidigt, während Bamberg beim 84:56 gegen die Artland Dragons aus Quakenbrück überzeugt hatte. Doch Marco Baldi war nicht beunruhigt: „Die Mannschaft hat gestern Geruch aufgenommen und sich an die Halle gewöhnt. Die Probleme aus dem Spiel sind vergessen. Ganz wichtig wird es sein, die Nerven zu behalen.“

Das tat die Mannschaft dann auch, als Bamberg in der zweiten Halbzeit immer weiter aufholte. 13:30 verlor Alba das dritte Viertel, nachdem Bambergs Trainer Dirk Bauermann sein Team in der Kabine noch mal heiß gemacht und ihm gesagt hatte, „dass Alba viel Energie investiert hat und so nicht weitermachen kann“.

Bis auf acht Punkte kam Bamberg wieder heran, als bei Alba die Kraft nachließ, die Zuschauer wachten wieder auf und versuchten, ihr Team doch noch zum Sieg zu brüllen. Alba Berlins Präsident Dieter Hauert „rutschte das Herz in die Hose, aber der letzte Dreier von Price war es dann“. Es war das 79:69 rund 80 Sekunden vor dem Ende.

Als eigentlich noch drei Sekunden zu spielen waren, rannten die Berliner Ersatzspieler schon aufs Feld. Dann umarmte Jovo Stanojevic Trainer Henrik Rödl, Quadre Lollis sprang Stephen Arigbabu in die Arme.

Als es nun also endlich geschafft war, war Rödl „stolz auf mein Team“ und sprach einen Satz, der für seine Verhältnisse sehr emotional war: „Wir feiern jetzt, was das Zeug hält.“ Los ging es in der Bamberger Rathausschänke, weiter dann im Bus auf der Heimfahrt nach Berlin.

Dann beginnt die Vorbereitung auf die Play-offs, an deren Ende Alba und Bamberg wieder aufeinander treffen könnte.

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