Sport : Polnisches Rätsel

Der verunsicherte Skispringer Malysz wechselt den Trainer

Benedikt Voigt

Berlin. Die polnische Boulevardzeitung „Fakt“ kennt in diesen Tagen nur noch ein großes Thema: Die zerrüttete Beziehung zwischen dem polnischen Skispringer und Volkshelden Adam Malysz und seinem langjährigen Trainer Apoloniusz Tajner. Meldete sie am Donnerstag noch, dass die Trennung der beiden bevorstehe, konnte gestern bereits Vollzug verkündet werden: „Tajner musi odejsc“. Tajner muss gehen.

Mit der Trainerentlassung erreicht die sportliche Krise des Adam Malysz ihren Höhepunkt. Und das ausgerechnet vor den beiden Weltcupspringen in Zakopane, wo heute die Hoffnungen von bis zu 50 000 polnischen Zuschauern am Fuße der Wielka-Krokiew-Schanze auf ihm ruhen. Doch die Verunsicherung bei Adam Malysz ist groß. In der letzten Saison hatte er zum dritten Mal infolge den Weltcup gewonnen, was vor ihm noch keinem anderen Springer gelungen ist. In dieser Saison fehlt jedoch jede Konstanz. Die Vierschanzentournee beendete er auf Rang 15, im Weltcup rutschte er auf Rang acht zurück. Was ist los mit dem beständigsten Springer vergangener Jahre?

Das wüsste Adam Malysz auch gerne. Bereits die neue Anzugsregel, welche der internationale Skiverband im Sommer einführte, verunsicherte den 26-Jährigen. Doch die wichtigste Veränderung passierte in seinem Umfeld. Das langjährige Trainerteam brach im Sommer auseinander. Der Physiotherapeut Jerzey Zoladz und der Psychologe Jan Blecharz haben nach Darstellung des polnischen Verbandes zu viel Geld verlangt. Die beiden Experten behaupten allerdings, dass ihre Gehaltszahlungen über längere Zeit ausgeblieben sind. Zwar holte sich Trainer Apoloniusz Tajner noch einen weiteren Experten ins Team, doch das erfolgreiche Quartett der vergangenen Jahre war auseinander gebrochen.

In dieser Besetzung hatte Adam Malysz im Jahr 2001 die Vierschanzentournee gewonnen. Seit jenem Augenblick ist der gelernte Dachdecker Polens populärster Sportler. In seinem Heimatort Wisla hat er sich ein Haus mit einer hohen Mauer bauen lassen. Nur noch ungern tritt der 1,69 kleine Pole auf die Straße, er entgeht lieber den Zuneigungen seiner Landsleuten. Zum Urlaub oder zum Einkaufen, so hat er unlängst erzählt, fährt er lieber nach Deutschland oder in die Alpen. Im Internet haben einige seiner Fans eine Petition eingerichtet: „Wir wollen, dass Adam Malysz als bester Skispringer der Welt anerkannt wird.“

Doch in dieser Saison fällt es schwer, dieses Anliegen zu unterstützen. Der Skispringer mit dem zarten Oberlippenbärtchen, dessen Stil sehr stark an Jens Weißflog erinnert, hat ähnlich wie Sven Hannawald den Kontakt zur Weltspitze verloren. Bereits während der Vierschanzentournee dokterte Malysz an seiner Technik herum. Der Absprung, der eigentlich seine große Stärke war, ist nun das große Problem. Meistens drückt er sich zu spät vom Schanzentisch ab. Der Trainerwechsel ist nun der letzte Rat.

Fortan wird ihn wieder sein Onkel Jan Szturc betreuen, mit dem er bereits trainiert hat. Um sich auf Zakopane vorzubereiten, ließ sich Malysz bei der Ehrung als Polens Sportler des Jahres entschuldigen und übte stattdessen. Doch als es am Freitag darum ging, in Zakopane die ersten Trainingssprünge zu absolvieren, setzte er aus. Dann fiel die Qualifikation wegen starker Winde aus. So wird sich erst heute zeigen, ob der Trainerwechsel etwas bringt.

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